Sanierputz gegen Feuchtigkeit in Kellern: So funktioniert er und wann er wirklich hilft
1 Feb
von Antoinette Adam 1 Kommentare

Warum deine Kellerwände nass bleiben - und was du dagegen tun kannst

Ein feuchter Keller ist mehr als ein Ärgernis. Er riecht modrig, macht Möbel kaputt, fördert Schimmel und senkt die Wohnqualität. Viele versuchen, das Problem mit normalen Abdichtungen oder Farben zu lösen - doch das ist wie ein Pflaster auf eine gebrochene Rippe. Die Feuchtigkeit kommt nicht von außen, sondern steigt aus dem Boden auf und transportiert dabei Salze wie Chlorid und Sulfat mit sich. Diese Salze lagern sich in den Mauerwerken ab, zerstören den Putz von innen und lassen ihn abplatzen. Hier kommt Sanierputz ins Spiel - aber nur, wenn er richtig eingesetzt wird.

Was ist Sanierputz wirklich? Keine normale Putzschicht

Sanierputz ist kein gewöhnlicher Wandputz. Er ist ein hochspezialisierter, mehrschichtiger Mörtel, der speziell für feuchte und salzbelastete Wände entwickelt wurde. Anders als herkömmliche Abdichtungen, die Feuchtigkeit blockieren, arbeitet Sanierputz diffusionsoffen. Das bedeutet: Er lässt Wasserdampf aus dem Mauerwerk entweichen, nimmt aber keine neue Feuchtigkeit aus der Raumluft auf. Seine Struktur ist großporig - wie ein Schwamm, der nur in eine Richtung arbeitet. Er zieht die Restfeuchtigkeit und die Salze aus der Wand heraus, speichert sie und hält sie von der Oberfläche fern.

Produkte wie der Sanierputz CLASSIC von MEM sind speziell für Ziegel- und Natursteinmauerwerk konzipiert. Sie sind in grau und weiß erhältlich, haben eine Mindestauftragsdicke von 25 mm und sind vom Hygiene-Institut des Ruhrgebiets geprüft. Der Putz ist nicht nur feuchtigkeitsregulierend, sondern auch schimmelhemmend - ein entscheidender Vorteil in Kellern, wo Luftfeuchtigkeit oft über 70 % liegt.

Wie funktioniert Sanierputz physikalisch?

Die Wirkung basiert auf zwei einfachen Prinzipien: Kapillarwirkung und Diffusion. Wenn Wasser aus dem Boden in die Mauer aufsteigt, wird es durch die poröse Struktur des Sanierputzes aufgenommen. Die Salze, die im Wasser gelöst sind, lagern sich in den Poren des Putzes ab - nicht in der Wand. Der Putz wird so zum „Opferputz“. Er opfert sich, um die eigentliche Mauer zu retten. Mit der Zeit sättigt er sich - aber das ist kein Defekt, das ist der Plan.

Im Gegensatz zu einer Horizontalsperre, die mechanisch in die Wand geschnitten wird, arbeitet Sanierputz nicht mit Gewalt. Er verändert die Mauer nicht, sondern nutzt ihre natürlichen Eigenschaften. Das macht ihn besonders geeignet für historische Gebäude, bei denen keine Bohrungen oder Einschnitte erlaubt sind. Er ist auch atmungsaktiv, was bedeutet, dass die Wand nicht „erstickt“. Das verhindert nicht nur Schimmel, sondern sorgt auch für ein gesünderes Raumklima.

Querschnitt einer Wand mit Sanierputz, der Feuchtigkeit und Salze aufnimmt

Wann hilft Sanierputz - und wann nicht?

Sanierputz ist kein Allheilmittel. Er hilft nur, wenn die Feuchtigkeit von unten kommt - also durch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Boden. Wenn deine Kellerwände nass sind, weil ein Rohr bricht oder das Dach undicht ist, dann bringt Sanierputz gar nichts. Du musst zuerst die Ursache beseitigen: Undichte Rohre, fehlende Drainage, schlechte Dämmung - das sind andere Probleme, die andere Lösungen brauchen.

Die wichtigste Voraussetzung: Eine gründliche Mauerwerksanalyse. Ohne diese ist Sanierputz ein teurer Fehlkauf. Ein Fachmann prüft, ob Salze im Mauerwerk vorhanden sind, wie hoch die Feuchtigkeitswerte sind und ob die Wand überhaupt stabil genug ist, um den Putz zu tragen. Wenn die Wand bröckelt oder stark beschädigt ist, muss sie zuerst repariert werden. Sanierputz kann keine kaputte Wand retten - er kann nur eine gesunde Wand trocken halten.

Die richtige Anwendung: Sechs Schritte zum Erfolg

Sanierputz ist kein Produkt für den DIY-Fan, der schnell mal eine Wand streicht. Die Anwendung ist komplex und erfordert Präzision. Laut SAKRET und Saint-Gobain Weber folgt die professionelle Sanierung einem klaren Ablauf:

  1. Untergrund vorbereiten: Alten Putz komplett abschlagen, bis das reine Mauerwerk sichtbar ist. Fugen auskratzen, Risse reparieren.
  2. Sanierputz auftragen: Zwei Lagen mit jeweils 10-15 mm Dicke. Mindestens 25 mm Gesamtdicke. Nicht dünner - sonst funktioniert er nicht.
  3. Klebespachtel auftragen: Eine dünne Schicht, um die Oberfläche vorzubereiten.
  4. Putzgrund auftragen: Sorgt für bessere Haftung des Oberputzes.
  5. Oberputz auftragen: Ein normaler, atmungsaktiver Putz, der dekorativ ist und den Sanierputz abdeckt.
  6. Strukturieren: Oberfläche mit einem Kamm oder Schwamm strukturieren - für eine gleichmäßige, leicht rauhe Oberfläche, die Feuchtigkeit nicht staut.

Einige Systeme, wie das von Saint-Gobain Weber, ergänzen diesen Prozess mit einer Horizontalsperre und einer Hohlkehle am Boden - besonders bei starken Salzbelastungen. Das ist kein Luxus, das ist notwendig. Sanierputz allein ist nicht genug, wenn das Wasser weiterhin aus dem Boden steigt.

Wie lange hält Sanierputz? Und was ist mit dem „Opferputz“?

Sanierputz ist kein Dauerlösung - er ist eine temporäre, aber sehr effektive. Bei moderater Salzbelastung hält er 10-15 Jahre. Bei starker Belastung - etwa in alten Häusern mit schlechter Drainage - kann er innerhalb von 3-5 Jahren gesättigt sein. Dann beginnt er, Salze an die Oberfläche zu bringen: weiße Krusten, abplatzender Putz, feuchte Flecken. Das ist kein Misserfolg - das ist ein Signal. Der Putz hat seine Arbeit getan. Jetzt muss er ersetzt werden.

Das ist der Grund, warum er als „Opferputz“ bezeichnet wird. Er nimmt den Schaden auf, damit die Wand nicht zerstört wird. Wer das nicht versteht, denkt, der Putz sei schlecht. Dabei ist er perfekt - er hat genau das gemacht, wofür er gebaut wurde. Die Lösung: Regelmäßige Kontrolle. Jedes Jahr den Keller prüfen. Wenn Salzausblühungen sichtbar werden, den Putz erneuern. Keine teuren Abdichtungen, keine Bohrungen - einfach den alten Putz abschlagen und neuen auftragen.

Künstlerische Darstellung von Sanierputz als opfernder Schwamm, der Salze aus der Wand zieht

Sanierputz vs. andere Methoden: Was ist besser?

Vergleichst du Sanierputz mit anderen Sanierungsverfahren, siehst du schnell, wo seine Stärken liegen:

Vergleich von Sanierungsmethoden für Kellerwände
Methode Vorteile Nachteile Beste für
Sanierputz Diffusionsoffen, kein Eingriff in die Wand, schimmelhemmend, günstiger als Horizontalsperre Benötigt regelmäßige Erneuerung bei starker Salzbelastung Historische Bausubstanz, moderate Feuchtigkeit, keine Bohrungen erlaubt
Horizontalsperre Dauerhafte Lösung, stoppt Wasser von unten Teuer, invasive Bohrung, kann Mauerwerk beschädigen Starke aufsteigende Feuchtigkeit, moderne Bauten
Herkömmliche Abdichtung (z. B. Bitumen) Schnell aufgetragen, günstig Feuchtigkeit bleibt in der Wand, führt zu Schimmel und Zerstörung Nicht empfohlen - verschlimmert das Problem
PCI Barra® System Kombiniert Horizontalsperre mit Sanierputz, sehr wirksam Komplex, teuer, nur mit Fachmann Extreme Salzbelastung, langfristige Sanierung

Die klare Empfehlung: Wenn du eine alte Mauer hast, die du nicht beschädigen willst, dann ist Sanierputz die beste Wahl. Wenn du eine neue Sanierung planst und die Feuchtigkeit von unten kommt, dann kombiniere Sanierputz mit einer Horizontalsperre - das ist der Goldstandard.

Was kommt als Nächstes? Die Zukunft der Keller-Sanierung

Die Branche entwickelt sich. Hersteller wie MEM und Saint-Gobain Weber arbeiten an neuen Formulierungen, die länger halten und weniger häufig erneuert werden müssen. Ziel ist es, den „Opferputz“ zu einem „Dauerputz“ zu machen - mit verbesserten Salzbindern und stabileren Porenstrukturen. In den nächsten fünf Jahren werden wir wahrscheinlich Produkte sehen, die 20 Jahre ohne Erneuerung halten - selbst bei hoher Salzbelastung.

Aber bis dahin: Kein Produkt ersetzt die richtige Diagnose. Die meisten Sanierungsfehler entstehen nicht durch schlechte Materialien, sondern durch falsche Anwendung. Wer denkt, Sanierputz sei eine schnelle Lösung, der irrt. Wer ihn als Teil eines Systems versteht - mit Vorbereitung, Auftrag, Kontrolle und Erneuerung - der bekommt einen trockenen Keller für Jahrzehnte.

Was tun, wenn der Keller trotz Sanierputz noch feucht ist?

Wenn du Sanierputz aufgetragen hast, aber die Feuchtigkeit bleibt, dann liegt das Problem nicht am Putz. Es liegt an einer der folgenden Ursachen:

  • Die Horizontalsperre fehlt - das Wasser kommt weiter von unten.
  • Die Drainage um das Haus ist verstopft - das Wasser sammelt sich am Fundament.
  • Es gibt eine Undichtigkeit im Boden oder an den Wänden - Wasser tritt von außen ein.
  • Die Luftfeuchtigkeit im Keller ist zu hoch - du brauchst eine Entfeuchtungsanlage.
  • Der Putz wurde zu dünn aufgetragen - unter 25 mm funktioniert er nicht.

Jetzt brauchst du einen Fachmann - nicht noch mehr Putz. Eine professionelle Feuchtigkeitsmessung mit einem Feuchtigkeitsmessgerät und eine Salzanalyse zeigen, was wirklich los ist. Ein guter Berater sagt dir: „Sanierputz reicht nicht.“ - und das ist kein Misserfolg, das ist ehrliche Beratung.

Antoinette Adam

Antoinette Adam

Ich bin Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt in Innsbruck und fertige maßgefertigte Möbel und Innenausbauten. Neben meiner Arbeit schreibe ich gerne über immobilienbezogene Themen aus handwerklicher Perspektive. Ich liebe es, technische Details verständlich zu erklären.

1 Kommentare

Melanie Berger

Melanie Berger

Also ich hab das letztes Jahr bei meiner Oma gemacht - nach 30 Jahren nasser Kellerwände ist es endlich trocken. Aber nur, weil wir vorher die Drainage komplett erneuert haben. Sanierputz allein ist wie eine Pflaster auf einer Blutung.

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