Photovoltaik auf dem Dach: So decken Sie Wärmepumpe und Haushalt mit Solarstrom ab
21 Jan
von Marlene Wiesner 0 Kommentare

Wie Sie mit Ihrer Dach-Photovoltaik nicht nur den Haushalt, sondern auch die Wärmepumpe mit Strom versorgen

Stellen Sie sich vor, Ihr Dach erzeugt nicht nur Strom für den Fernseher, die Waschmaschine oder das Handy-Ladegerät. Sondern auch für Ihre Wärmepumpe. Kein Gas, kein Öl, kein teurer Netzstrom mehr zum Heizen. Nur Sonne, die direkt in Wärme und Strom verwandelt wird. Das ist kein Traum mehr. Es ist Realität - und zwar für immer mehr Hausbesitzer in Deutschland. Seit 2021 wird diese Kombination sogar staatlich gefördert. Und seit 2024 wird sie noch wirtschaftlicher.

Warum? Weil Strom teuer ist. Im Jahr 2025 zahlen Hausbesitzer im Durchschnitt zwischen 35 und 42 Cent pro Kilowattstunde Netzstrom. Die Wärmepumpe allein verbraucht in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus bis zu 5.000 kWh pro Jahr. Das sind über 1.700 Euro jährlich - nur für Heizen. Gleichzeitig kostet Solarstrom vom eigenen Dach nur 8 bis 12 Cent pro kWh. Der Unterschied ist riesig. Und wenn Sie den Solarstrom direkt nutzen, statt ihn ins Netz zu speisen, sparen Sie das volle Preisgefälle.

Wie viel Strom brauchen Sie wirklich?

Bevor Sie sich eine PV-Anlage aufs Dach setzen, müssen Sie wissen: Wie viel Strom verbrauchen Sie eigentlich? Nicht nur für den Haushalt, sondern auch für die Wärmepumpe. Viele unterschätzen das.

Ein Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche verbraucht im Durchschnitt 30 bis 40 kWh Strom pro Quadratmeter und Jahr. Das sind zwischen 4.200 und 5.600 kWh. Dazu kommt die Wärmepumpe. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus zieht etwa 4.000 bis 6.000 kWh pro Jahr. Das bedeutet: Ihr Gesamtstrombedarf liegt zwischen 8.200 und 11.600 kWh. Ohne Solarstrom wäre das eine Rechnung von über 3.400 Euro im Jahr.

Jetzt kommt die gute Nachricht: Eine 10 kWp Photovoltaik-Anlage erzeugt in Norddeutschland - also auch in Lübeck - im Durchschnitt 9.000 bis 11.000 kWh pro Jahr. Das reicht also. Aber nur, wenn Sie den Strom auch richtig nutzen.

Warum eine zu kleine PV-Anlage schiefgeht

Ein häufiger Fehler: Jemand hat eine 16 kW Wärmepumpe, aber nur eine 5 kWp PV-Anlage. Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten arbeitet, scheint kaum die Sonne. Dann muss das Haus fast komplett vom Netz bezahlen. Das macht die ganze Rechnung zunichte.

Experten warnen: Die PV-Anlage muss mindestens 10 kWp groß sein, wenn Sie die Wärmepumpe komplett mit Solarstrom betreiben wollen. Bei einem Haus mit schlechter Dämmung oder einer alten Heizung brauchen Sie sogar 12 kWp oder mehr. Die Verbraucherzentrale sagt klar: Eine zu kleine Anlage ist teurer als gar keine. Denn Sie zahlen für die Anlage, aber nicht für die Einsparung.

Ein Nutzer im Photovoltaik-Forum berichtet: Mit 8 kWp und einer 16 kW Wärmepumpe kommt er nur auf 28 % Eigenversorgung. Ein anderer mit 12 kWp und einer 12 kW Wärmepumpe schafft 65 %. Der Unterschied? Die Dimensionierung. Und die Dämmung.

Die Rolle der Dämmung - ohne sie lohnt sich nichts

Photovoltaik allein reicht nicht. Wenn Ihr Haus wie ein Sieb ist, dann brauchen Sie eine riesige Anlage. Und die kostet Geld. Die beste Lösung: Sanieren Sie zuerst. Dämmen Sie die Außenwände, tauschen Sie die Fenster aus, legen Sie eine Fußbodenheizung ein. Das senkt Ihren Heizenergiebedarf um 30 bis 50 %.

Ein Haus nach EnEV 2016 oder besser (Passivhaus-Standard) braucht nur halb so viel Strom für die Wärmepumpe wie ein Haus aus den 80er Jahren. Das bedeutet: Sie brauchen eine kleinere PV-Anlage. Und die ist günstiger. Und amortisiert sich schneller.

Die Verbraucherzentrale Energieberatung sagt es deutlich: Eine Wärmepumpe ohne energetische Sanierung ist wie ein Sportwagen mit Reifen aus Papier. Sie fährt - aber nur kurz.

Smartes Energiemanagement-Display in der Küche, das Solarstromproduktion und -verbrauch in Echtzeit zeigt.

Intelligente Steuerung: Der Schlüssel zur 70 %-Deckung

Es reicht nicht, Sonne zu haben. Sie müssen sie auch richtig nutzen. Das ist der Unterschied zwischen 40 % und 70 % Eigenverbrauch.

Ein einfaches System schaltet die Wärmepumpe einfach ein, wenn der Strom da ist. Ein intelligentes System - wie das Viessmann Vitotronic 200 oder der SENEC Vito - schaut in die Wetterprognose. Es weiß: Morgen wird es sonnig. Also heizt es heute schon auf - mit Solarstrom. Und es vermeidet, dass die Wärmepumpe nachts oder bei bewölktem Wetter ans Netz geht.

Diese Systeme lernen auch Ihre Gewohnheiten. Wenn Sie jeden Morgen um 7 Uhr duschen, stellen sie die Wärmepumpe so ein, dass sie den Warmwasserbedarf zuvor abgedeckt hat. Das ist nicht Science-Fiction. Das gibt es seit Anfang 2024. Und es erhöht die Solarstrom-Nutzung auf bis zu 70 %, wie SENEC und Viessmann bestätigen.

Batteriespeicher: Nötig oder überflüssig?

Die Frage ist oft: Brauche ich einen Akku? Die Antwort: Nicht zwingend. Aber empfehlenswert.

Ohne Speicher nutzen Sie den Solarstrom nur, wenn er gerade erzeugt wird. Das ist meist zwischen 10 und 16 Uhr. Aber die Wärmepumpe läuft oft abends und nachts. Ohne Speicher müssen Sie dann Netzstrom kaufen - teuer.

Ein Speicher speichert den überschüssigen Strom am Tag und gibt ihn abends wieder ab. Das erhöht die Eigenverbrauchsquote von 50 % auf 70 % oder mehr. Ein 10 kWh-Speicher kostet heute etwa 7.000 bis 9.000 Euro. Dazu kommt die Anlage mit 10 kWp für 13.000 bis 16.000 Euro. Das klingt viel. Aber die Förderung macht den Unterschied.

Die Förderung: Bis zu 75 % Zuschuss - wenn Sie es richtig machen

Seit Juli 2021 gibt es die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG). Sie zahlt bis zu 70 % der Kosten für die Wärmepumpe, wenn Sie gleichzeitig eine PV-Anlage installieren. Und ab 2025 soll es sogar 75 % werden - wenn die Solarstrom-Deckung mindestens 50 % beträgt.

Das ist kein kleiner Rabatt. Das ist ein Vollzuschuss. Ein 10 kWp-PV-System mit 10 kWh Speicher und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet etwa 35.000 Euro. Mit 70 % Förderung zahlen Sie nur noch 10.500 Euro selbst. Die jährlichen Einsparungen liegen bei 1.500 bis 1.971 Euro. Das bedeutet: Die Anlage amortisiert sich in 6 bis 7 Jahren - nicht in 15.

Wichtig: Die Förderung gilt nur, wenn Sie die Anlage von einem Handwerker installieren lassen, der die Vorgaben der BAFA kennt. Eigenbau zählt nicht. Und die Anlage muss mindestens 10 kWp haben. Kleine Systeme bekommen keine Förderung.

Konzeptbild eines winterlichen Hauses, das komplett mit Solarenergie beheizt und versorgt wird.

Warum Solarthermie nicht die richtige Wahl ist

Viele denken: Warum nicht Solarthermie? Die sammelt Sonne und macht warmes Wasser. Aber das ist der falsche Weg.

Solarthermie erzeugt Wärme. PV erzeugt Strom. Und Strom kann man in Wärme verwandeln - mit einer Wärmepumpe. Und zwar mit einer Effizienz von 300 bis 500 %. Das heißt: Mit 1 kWh Strom bekommen Sie 3 bis 5 kWh Wärme. Solarthermie hingegen liefert nur so viel Wärme, wie die Sonne hergibt. Kein Verstärker. Kein Mehrwert.

Enpal und andere Experten sagen klar: Wenn Sie neu bauen oder sanieren, nehmen Sie PV. Nicht Solarthermie. Es sei denn, Sie haben schon eine Solarthermie-Anlage. Dann können Sie sie weiter nutzen. Aber neu installieren? Nein.

Was Sie jetzt tun müssen - Schritt für Schritt

Wenn Sie loslegen wollen, hier ist der Weg:

  1. Prüfen Sie Ihren Stromverbrauch. Schauen Sie auf Ihre letzten 12 Monate. Rechnen Sie den Haushaltsverbrauch plus Wärmepumpe zusammen. Machen Sie eine grobe Schätzung: 30-40 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche.
  2. Analysieren Sie Ihr Dach. Wie groß ist die nutzbare Fläche? Wie ist die Ausrichtung? Süden ist ideal. Ost-West geht auch. Verschattung durch Bäume oder Nachbarhäuser? Das reduziert den Ertrag.
  3. Legen Sie die Anlagengröße fest. Mindestens 10 kWp. Bei schlechter Dämmung oder großem Haus: 12 kWp oder mehr.
  4. Wählen Sie eine Wärmepumpe mit niedrigem Verbrauch. Luft-Wasser ist am häufigsten. Aber Achtung: Sie braucht mehr Strom im Winter. Wenn Sie eine Fußbodenheizung haben, läuft sie effizienter.
  5. Planen Sie ein intelligentes Energiemanagement. Ohne Steuerung verlieren Sie bis zu 30 % der Einsparung. Viessmann, SENEC, Bosch - alle bieten Systeme an.
  6. Prüfen Sie die Förderung. Stellen Sie einen Antrag bei der BAFA. Warten Sie nicht, bis die Anlage steht. Der Antrag muss vor der Bestellung gestellt werden.
  7. Wählen Sie einen seriösen Installateur. Der muss die BEG-WG-Kriterien kennen. Fragt er nach Ihrer Dämmung? Dann ist er gut. Fragt er nur nach der Anlagengröße? Dann ist er nur ein Verkäufer.

Was kommt als Nächstes? Die Zukunft ist schon da

Im Jahr 2025 ist die PV-Wärmepumpe-Kombination kein Nischenprodukt mehr. Sie ist die Standardlösung für Neubauten und Sanierungen. Der Bundesverband Solarwirtschaft sagt: 2023 wurden 185.000 solcher Systeme installiert. Das ist ein Zuwachs von 38 % im Vergleich zum Vorjahr.

Und die Trends werden stärker: Die Netzentgelte für Eigenverbrauch steigen - von 1,3 Cent im Jahr 2023 auf 2,05 Cent im Jahr 2024. Das macht die Eigenversorgung noch attraktiver. Die neue Niederspannungsanschlussverordnung verlangt ab 2025 für Anlagen über 10 kWp ein Smart-Meter-Gateway. Das ist kein Nachteil - es macht Ihre Anlage steuerbar. Und das ist der Schlüssel zur Zukunft.

Die Fraunhofer-Studie sagt: Bis 2035 ist es technisch möglich, ein Haus komplett mit Solarstrom zu versorgen - inklusive Heizung, Auto und Haushalt. Mit saisonalem Wasserstoffspeicher. Das klingt weit weg? Vielleicht. Aber die Grundlage dafür legen Sie heute: mit einer PV-Anlage auf dem Dach, die nicht nur den Haushalt, sondern auch die Wärmepumpe versorgt.

Was passiert, wenn Sie nichts tun?

Wenn Sie jetzt nichts tun, zahlen Sie weiterhin 40 Cent pro kWh für Netzstrom. Ihre Heizkosten steigen. Ihre Immobilie verliert an Wert. Und Sie verpassen die Förderung. Denn die ist nicht für immer da.

Die Alternative? Sie investieren heute. Und sparen morgen. Und in zehn Jahren haben Sie eine Heizung, die Ihnen keine Rechnung mehr schickt. Nur Sonne. Und Ruhe.

Marlene Wiesner

Marlene Wiesner

Ich bin Tischlerin mit über 20 Jahren Erfahrung und spezialisiere mich auf Innentüren. Neben meiner handwerklichen Tätigkeit schreibe ich leidenschaftlich gerne über meine Projekte und teile Tipps und Tricks.

Tischlerei Innentüren Einblick