Baugenehmigung beschleunigen: So bekommen Sie schneller Ihren Baurechtsschein
15 Feb
von Antoinette Adam 0 Kommentare

Wie lange dauert es eigentlich, bis Sie endlich mit dem Bauen beginnen können? In Deutschland liegt die durchschnittliche Dauer für eine Baugenehmigung bei 6 bis 9 Monaten - obwohl das Gesetz eigentlich nur drei Monate vorsieht. Viele Bauherren warten monatelang, ohne zu wissen, warum. Der Grund? Nicht die Behörden sind faul, sondern das Verfahren ist voller Fallstricke. Doch es gibt Wege, das zu ändern. Und zwar schnell.

Warum dauert die Baugenehmigung so lange?

Es ist kein Geheimnis: Deutschland hat eines der komplexesten Baurechtssysteme in Europa. Jeder Bauantrag muss von mehreren Ämtern geprüft werden - von der Baurechtsbehörde über den Brandschutz bis hin zum Naturschutz. Jede Stelle hat eigene Regeln, eigene Formulare, eigene Fristen. Und oft fehlt einfach die Kommunikation. Ein Bauantrag kommt an, wird nicht sofort geprüft, sondern erst, wenn alle Unterlagen vollständig sind. Doch wer stellt sicher, dass sie vollständig sind? Meistens nicht der Antragsteller. Und so beginnt das Spiel: Nachfrage, Nachbesserung, erneute Einreichung. Das kostet Zeit. Laut DATEX (2025) verursacht das Fehlen von Unterlagen 68 Prozent aller Verzögerungen.

Ein typisches Beispiel: Sie reichen Ihre Bauzeichnungen ein, aber die Statikberechnung fehlt. Oder das Umweltgutachten ist nicht vom zertifizierten Gutachter unterschrieben. Die Behörde schreibt zurück. Sie korrigieren. Wieder einwarten. Und so geht es Monat für Monat. Dabei wäre alles einfacher - wenn man frühzeitig spricht.

Der Schlüssel: Vorbesprechung und vollständige Unterlagen

Der wichtigste Tipp, den Experten immer wieder geben: Reden Sie vor der Einreichung mit der Behörde. In Hamburg haben Bauherren, die eine Vorbesprechung durchgeführt haben, ihre Genehmigungszeit um durchschnittlich 35 Prozent verkürzt. Warum? Weil sie wissen, was die Behörde wirklich braucht. Keine Theorie. Kein Rätselraten. Sondern klare Anweisungen: Welche Unterlagen? In welchem Format? Welche Unterschriften? Wo liegt der Haken?

Und dann: Reichen Sie alles auf einmal ein. Nicht Stück für Stück. Nicht „nachträglich“. Sondern komplett. Das bedeutet:

  • Bauzeichnungen im PDF-Format, skalierbar und mit Maßstäben
  • Statikberechnungen vom zertifizierten Ingenieur
  • Umweltgutachten mit offizieller Unterschrift und Stempel
  • Grundstücksurkunde und Bebauungsplan-Auszug
  • Feuerstättenschein (falls notwendig)
  • Alle Nachweise zur Erschließung: Wasser, Abwasser, Strom, Gas

Wer das macht, hat schon 70 Prozent des Weges geschafft. Die Behörde hat dann nichts mehr nachzufragen. Und das macht den Unterschied.

Das Optionsmodell: Schnell oder sicher?

In Baden-Württemberg gibt es seit Mai 2024 eine echte Neuerung: das Optionsmodell. Bauherren können jetzt selbst entscheiden, welches Verfahren sie wählen - und das hat enorme Auswirkungen.

Option 1: Vereinfachtes Verfahren - mit einer Frist von nur ein Monat. Die Behörde prüft nur die wichtigsten baurechtlichen Vorschriften. Keine tiefgehenden Gutachten. Keine umfangreiche Beteiligung der Nachbarn. Ideal für Einfamilienhäuser, Carports, Wintergärten oder Anbauten. Die Kosten sinken um 25 Prozent, weil weniger Gutachten nötig sind.

Option 2: Vollverfahren - wie bisher. Drei Monate Frist. Alle Prüfungen. Alle Beteiligten. Für komplexe Projekte wie Mehrfamilienhäuser, Schulen oder Industriebauten.

Was bedeutet das für Sie? Wenn Sie ein einfaches Einfamilienhaus bauen, wählen Sie das vereinfachte Verfahren. Sie sparen Zeit, Geld und Nerven. Und wenn Sie später doch Probleme haben? Keine Sorge: Die Rechtslage bleibt die, die zum Zeitpunkt der vollständigen Einreichung galt. Das nennt man Stichtagsregelung. Sie haben Rechtssicherheit.

Bauherr und Behördenmitarbeiter besprechen ein digitales Bauprojekt in einem Rathaus.

Genehmigungsfiktion: Wenn die Behörde schweigt, ist es genehmigt

Das ist der Knackpunkt: In vielen Ländern gilt ein Antrag nach Ablauf der Frist automatisch als genehmigt - wenn nichts dagegen gesagt wurde. In Deutschland ist das jetzt auch möglich. Baden-Württemberg hat es als erstes Bundesland konkret umgesetzt: Wenn nach drei Monaten kein Bescheid kommt, gilt der Antrag als genehmigt.

Das nennt man Genehmigungsfiktion. Es ist kein „Kann-ich-machen-wenn-ich-will“-Gesetz. Es gilt nur, wenn:

  • Der Antrag vollständig ist
  • Keine rechtlichen Bedenken vorliegen (z. B. Naturschutz, Denkmalschutz)
  • Es sich um ein standardisiertes Bauvorhaben handelt (kein Hochhaus, keine Tankstelle)

Und das ist der große Vorteil: Sie müssen nicht mehr ständig nachfragen. Sie müssen nicht mehr Angst haben, dass Ihre Pläne im Aktenberg verschwinden. Sie reichen ein. Und wenn nach drei Monaten nichts passiert ist, können Sie loslegen. Ohne Brief, ohne Verwaltung, ohne Warten.

Die CDU plant, diese Regelung bis 2025 auf noch mehr Bauvorhaben auszuweiten - etwa auf Carports, Wintergärten oder sogar die Nutzung von Gehwegen für Außengastronomie. Das ist kein kleiner Schritt. Das ist ein Systemwechsel.

Digitale Abwicklung: Der große Sprung nach vorn

Ein Papierkram, der sich nicht vermeiden lässt? Nein. Er ist nur altmodisch. Die digitale End-to-End-Abwicklung ist kein Luxus - sie ist die Voraussetzung für schnelle Genehmigungen. Doch hier hakt es noch.

Einige Kommunen arbeiten mit digitalen Plattformen wie AMADEUS von DATEX. Andere noch mit Fax und Post. Das führt zu Medienbrüchen: Ein Dokument wird digital eingereicht, aber die Behörde druckt es aus, bearbeitet es handschriftlich und faxt es zurück. Das kostet Zeit. Und Fehler.

Die Lösung? Ein einheitliches System. Die DIHK fordert eine bundesweite Plattform für Antragsteller, Behörden und Gerichte. Bis dahin: Nutzen Sie digitale Tools. AMADEUS hilft, Dokumente zu organisieren, Fehler zu erkennen und Einreichungen zu verfolgen. Nutzer berichten, dass es die Dokumentenorganisation um 50 Prozent beschleunigt und die Fehlerquote um 75 Prozent senkt.

Und was ist mit den Behörden? Auch sie brauchen Schulung. Laut DATEX (2025) dauert die Einarbeitung in neue digitale Systeme durchschnittlich sechs Monate. Mit gezielten Schulungen lässt sich das auf drei Monate reduzieren. Also: Fragen Sie Ihre Gemeinde: „Nutzen Sie eine digitale Plattform? Wenn nicht, warum nicht?“

Vergleich zwischen papierbasiertem Verfahren und digitaler Genehmigung mit Genehmigungsstempel.

Was bleibt? Die Realität

Es gibt keine Wunderformel. Aber es gibt klare Regeln:

  1. Reichen Sie alles vollständig ein - auf Anhieb. Keine Nachlieferungen. Keine Nachfragen.
  2. Verlangen Sie eine Vorbesprechung. Nutzen Sie die Chance, bevor Sie etwas einreichen.
  3. Wählen Sie das vereinfachte Verfahren - wenn es passt. Es ist schneller, günstiger und sicherer.
  4. Verstehen Sie die Genehmigungsfiktion. Sie ist kein Mythos. Sie ist Gesetz - in Baden-Württemberg, bald vielleicht auch bei Ihnen.
  5. Nutzen Sie digitale Tools. Sie sparen Zeit und reduzieren Fehler.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Deutschland verliert jedes Jahr 120.000 Wohnungen, weil Genehmigungen zu lange dauern. Das kostet 15 Milliarden Euro jährlich. Und das ist nicht unvermeidbar. Es ist ein Systemproblem - und Systeme können verändert werden.

Was kommt als Nächstes?

Die Bundesregierung hat mit dem „Wohnungsbau-Turbo“ im September 2023 einen weiteren Schritt gemacht: Kommunen dürfen jetzt auf Bebauungspläne verzichten - für bestimmte Wohnbauprojekte. Das spart bis zu 18 Monate. Das ist ein riesiger Sprung. Und es zeigt: Politik will handeln.

Langfristig prognostizieren Experten: Bis 2027 wird die durchschnittliche Bearbeitungszeit für eine Baugenehmigung in Deutschland unter drei Monate fallen. Das ist das europäische Niveau. Und es ist erreichbar - wenn wir alle mitmachen.

Also: Machen Sie es richtig. Reichen Sie vollständig ein. Fragen Sie früh. Nutzen Sie die neuen Optionen. Und wenn die Behörde schweigt - dann wissen Sie jetzt: Sie haben schon gewonnen.

Wie lange dauert eine Baugenehmigung normalerweise?

In Deutschland dauert die durchschnittliche Bearbeitung einer Baugenehmigung aktuell 6 bis 9 Monate, obwohl das Gesetz (§ 71 Abs. 1 BauGB) eine Höchstfrist von drei Monaten vorsieht. Verzögerungen entstehen vor allem durch unvollständige Unterlagen, fehlende Vorbesprechungen und digitale Medienbrüche zwischen Behörden.

Was ist die Genehmigungsfiktion?

Die Genehmigungsfiktion bedeutet, dass ein Bauantrag nach Ablauf der gesetzlichen Frist (meist drei Monate) automatisch als genehmigt gilt, wenn die Behörde keinen ablehnenden Bescheid ausgestellt hat. Diese Regelung gilt nur für standardisierte Bauvorhaben und setzt voraus, dass alle Unterlagen vollständig und korrekt eingereicht wurden. Baden-Württemberg führt sie seit 2024 als erstes Bundesland konkret ein.

Kann ich mein Bauvorhaben schneller genehmigt bekommen?

Ja. Nutzen Sie das Optionsmodell, falls es in Ihrem Bundesland verfügbar ist (z. B. Baden-Württemberg). Wählen Sie das vereinfachte Verfahren mit einmonatiger Frist, wenn es sich um ein einfaches Bauvorhaben wie ein Einfamilienhaus, Carport oder Wintergarten handelt. Reichen Sie alle Unterlagen vollständig ein und vereinbaren Sie eine Vorbesprechung mit der Behörde. Das reduziert die Bearbeitungszeit um bis zu 35 Prozent.

Welche Unterlagen sind für eine Baugenehmigung unbedingt notwendig?

Mindestens benötigen Sie: Bauzeichnungen (mit Maßstab), Statikberechnungen vom zertifizierten Ingenieur, Umweltgutachten mit offizieller Unterschrift, Grundstücksurkunde, Bebauungsplan-Auszug, Feuerstättenschein (wenn relevant) und Nachweise zur Erschließung (Wasser, Abwasser, Strom, Gas). Fehlt auch nur ein Dokument, verzögert sich das Verfahren erheblich.

Warum ist die digitale Einreichung so wichtig?

Digitale Einreichung vermeidet Medienbrüche - also den Wechsel von digital zu Papier und zurück. Viele Behörden arbeiten noch mit Fax oder Post, was zu Verzögerungen und Fehlern führt. Digitale Plattformen wie AMADEUS helfen, Dokumente zu organisieren, Fehler zu erkennen und den Status zu verfolgen. Nutzer berichten von einer 50-prozentigen Beschleunigung der Organisation und einer 75-prozentigen Reduzierung der Fehlerquote.

Antoinette Adam

Antoinette Adam

Ich bin Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt in Innsbruck und fertige maßgefertigte Möbel und Innenausbauten. Neben meiner Arbeit schreibe ich gerne über immobilienbezogene Themen aus handwerklicher Perspektive. Ich liebe es, technische Details verständlich zu erklären.

Tischlerei Innentüren Einblick