Wenn Sie ein Haus besitzen, das älter als 1970 ist, könnte eine Dichtheitsprüfung bald Ihre Aufmerksamkeit erfordern. Nicht weil es dringend nötig ist - sondern weil es immer häufiger zur Voraussetzung wird, wenn Sie verkaufen, sanieren oder einfach nur sicherstellen wollen, dass Ihr Grundstück nicht unbemerkt die Umwelt belastet. Viele Hausbesitzer wissen nicht, dass Abwasserleitungen unter der Erde undicht werden können - und dass das nicht nur teuer, sondern auch rechtlich riskant ist.
Die Verantwortung liegt beim Eigentümer. Selbst wenn die Leitung vor 30 Jahren installiert wurde, müssen Sie nachweisen können, dass sie dicht ist - besonders wenn Sie Ihre Immobilie verkaufen. In Berlin, Hamburg oder München ist das heute Standard. In anderen Regionen noch nicht - aber das ändert sich schnell.
Die Wahl des Verfahrens hängt vom Material, dem Durchmesser der Leitung und den örtlichen Vorgaben ab. Für Einfamilienhäuser mit Kunststoffrohren reicht meist die Luftprüfung. Bei alten Betonleitungen oder bei Schächten wird oft die Wasserprüfung verlangt.
Für ein Einfamilienhaus mit etwa 20 Metern Leitungslänge dauert die gesamte Prozedur durchschnittlich zwei Stunden. Die eigentliche Messphase dauert nur 20 bis 30 Minuten. Der Rest ist Vorbereitung und Dokumentation.
Die RAL-GZ 968, eine Qualitätsrichtlinie für Grundstücksentwässerung, empfiehlt eine Prüfung alle 30 Jahre. Aber das ist nur eine Empfehlung - kein Gesetz. In Baden-Württemberg ist bei Neubauten eine Prüfung vor der Inbetriebnahme verpflichtend. In Nordrhein-Westfalen wird nur bei Verdacht auf Leckagen geprüft.
Die wirkliche Verpflichtung entsteht oft beim Verkauf. Seit 2020 verlangen viele Städte, darunter Berlin, einen gültigen Dichtheitsnachweis für den Verkauf von Eigentumswohnungen mit eigenem Abwasseranschluss. In München und Köln ist das bereits Standard. In kleineren Gemeinden noch nicht - aber die Tendenz ist klar: Wer verkaufen will, braucht den Nachweis.
Wenn Sie die Prüfung ignorieren und später ein Leck entdeckt wird, können Sie auch haftbar gemacht werden - etwa wenn Grundwasser verunreinigt wird oder Nachbarn Schäden an ihren Fundamenten erleiden. Ein Prüfprotokoll schützt Sie vor solchen Ansprüchen.
Gleichzeitig wird die Technik besser. Moderne Prüfgeräte wie der Wöhler M 603 berechnen automatisch, ob der Druckabfall innerhalb der Grenzwerte liegt - basierend auf Rohrmaterial und Durchmesser. Das reduziert menschliche Fehler um bis zu 40 %. Und KI-gestützte Kameras erkennen Schäden selbstständig - etwa Risse, Korrosion oder Verschiebungen - und klassifizieren sie. Experten prognostizieren, dass bis 2027 über 60 % der Prüfungen mit solchen Systemen durchgeführt werden.
Wenn Sie verkaufen wollen: Holen Sie den Nachweis jetzt ein. Wenn Sie sanieren: Prüfen Sie die Leitungen vor dem Einbau neuer Sanitäranlagen. Und wenn Sie einfach nur sicher sein wollen: Machen Sie die Prüfung - es ist eine der sinnvollsten Investitionen, die Sie in Ihr Haus tätigen können. Nicht nur für die Umwelt. Sondern auch für Ihren eigenen Schutz.
Es gibt keine bundesweite Pflicht für bestehende Anlagen. Die Verpflichtung ergibt sich meist aus kommunalen Vorschriften - besonders beim Immobilienverkauf. In Baden-Württemberg ist sie bei Neubauten verpflichtend, in Berlin bei Verkäufen von Eigentumswohnungen. Für bestehende Häuser ist sie nicht automatisch gesetzlich vorgeschrieben, aber immer häufiger eine Voraussetzung für Verkauf oder Sanierung.
Nein. Die Prüfung muss von einem zertifizierten Fachbetrieb durchgeführt werden, der über die richtigen Geräte, die erforderliche Ausbildung und die gesetzliche Haftpflichtversicherung verfügt. Nur so ist das Prüfprotokoll rechtsgültig. Selbst wenn Sie die Technik besitzen, fehlt die offizielle Anerkennung - und die Behörden akzeptieren Ihren Nachweis nicht.
Es gibt keine gesetzliche Gültigkeitsdauer. Allerdings gilt ein Prüfprotokoll in der Regel als aktuell, wenn es nicht älter als 5 Jahre ist - besonders beim Verkauf. Einige Kommunen akzeptieren nur Protokolle aus den letzten 2 bis 3 Jahren. Wenn Sie das Haus verkaufen, fragen Sie bei der zuständigen Behörde nach, wie alt das Dokument sein darf.
Die Kosten liegen zwischen 300 und 800 Euro, abhängig von der Länge der Leitung, dem verwendeten Verfahren und der Region. Luftprüfung ist günstiger als Wasserprüfung. Kamerainspektion wird oft zusätzlich berechnet, aber sie ist fast immer sinnvoll. Einige Betriebe bieten Pakete an, die Reinigung, Kamera und Prüfung zusammen beinhalten - das kann sparen.
Wenn die Prüfung ergibt, dass die Leitung undicht ist, muss sie saniert werden - entweder durch Inliner (Rohr-in-Rohr-Verfahren) oder durch komplette Neulegung. Die Entscheidung hängt von der Länge der Schäden, der Tiefe der Leitung und den Kosten ab. Ein Fachbetrieb kann Ihnen eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Ignorieren Sie eine Undichtigkeit nicht - die Folgekosten bei Umweltschäden können das Zehnfache betragen.