Brennwertkessel vs. alte Heizungen: Wie viel Geld du wirklich sparst
14 Mär
von Antoinette Adam 0 Kommentare

Wenn du in einem Haus wohnst, das vor 1990 gebaut wurde, dann hast du wahrscheinlich eine Heizung, die viel mehr Gas oder Öl verbraucht, als nötig. Die meisten Hausbesitzer in Österreich glauben, dass ihre alte Heizung noch in Ordnung ist - solange sie warm macht. Aber das ist ein Irrtum. Ein Brennwertkessel kann deine Heizkosten um bis zu 30 Prozent senken. Und das ist nicht nur gut für deinen Geldbeutel, sondern auch für den Klimaschutz.

Warum alte Heizungen so viel Geld verschlingen

Heizkessel aus den 70er und 80er Jahren arbeiten mit einer Technik, die heute als veraltet gilt. Sie nutzen nur die Wärme, die beim Verbrennen von Gas oder Öl entsteht. Der Rest - also die Hitze aus den Abgasen - fliegt einfach durch den Schornstein. Das ist wie wenn du einen Kaffee trinkst, aber den Dampf über deinem Becher nicht nutzt. Du verlierst wertvolle Energie.

Ein klassischer Konstanttemperaturkessel hat einen Wirkungsgrad von nur 68 Prozent. Das bedeutet: Von jedem Euro, den du für Heizöl oder Erdgas ausgibst, gehen 32 Cent verloren. Ein Niedertemperaturkessel aus den 90ern ist etwas besser - er kommt auf 87 Prozent. Aber selbst das ist weit von der Effizienz entfernt, die heute möglich ist.

Wie ein Brennwertkessel wirklich funktioniert

Ein Brennwertkessel funktioniert anders. Er leitet die heißen Abgase nicht einfach nach draußen, sondern führt sie über ein Kühlsystem, das mit dem kalten Rücklaufwasser aus deiner Heizung in Kontakt kommt. Dadurch kühlen sich die Gase ab, der Wasserdampf in ihnen kondensiert - und gibt dabei noch einmal Wärme ab. Diese zusätzliche Wärme wird in dein Heizsystem zurückgeführt.

Dadurch erreicht ein moderner Brennwertkessel einen Nutzungsgrad von 94 bis 98 Prozent. Das ist fast das Maximum, was technisch möglich ist. Du nutzt fast jeden Tropfen Energie aus dem Brennstoff. Kein anderer fossiler Heizkessel kommt an diese Zahl heran.

Doch es gibt einen Haken: Du brauchst einen Abwasseranschluss. Das Kondensat, das entsteht, ist leicht sauer und darf nicht einfach in die Erde laufen. Es muss in dein Abwassersystem geleitet werden. Das ist bei vielen älteren Häusern nicht vorgesehen - und kann zusätzliche Kosten von 500 bis 1.500 Euro verursachen.

Wie viel sparst du wirklich?

Die Zahlen, die du im Internet findest, widersprechen sich oft. Manche sagen: 10 Prozent. Andere: 30 Prozent. Warum? Weil es darauf ankommt, was du ersetzt.

Wenn du eine alte, schlecht gewartete Heizung aus den 80ern durch einen Brennwertkessel ersetzt, kannst du bis zu 30 Prozent Energie sparen. Das ist keine Theorie - das haben mehrere Studien der Verbraucherzentrale und von ThermOnDo in 2024 bestätigt. In einem Haus in Innsbruck, das 1978 gebaut wurde und vorher einen Konstanttemperaturkessel hatte, sank der Gasverbrauch nach dem Austausch von 22.000 kWh pro Jahr auf 15.800 kWh. Das sind 28 Prozent weniger.

Aber wenn du nur einen Niedertemperaturkessel aus den 90ern ersetzt, dann ist der Sprung kleiner. Hier liegen die Einsparungen bei 5 bis 10 Prozent. Warum? Weil dieser Kessel schon ziemlich effizient war. Die meisten Hausbesitzer unterschätzen das.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Viele Leute denken, ihre Heizung sei gut, weil die Abgaswerte niedrig sind. Doch das ist irreführend. Ein alter Kessel kann mit einem Abgasverlust von nur 8 Prozent laufen - das klingt gut. Aber das bedeutet nicht, dass er effizient ist. Er nutzt einfach nicht die Kondensationswärme. Das ist wie ein Auto, das 10 Liter pro 100 km verbraucht - und du denkst, das sei gut, weil es nicht 15 Liter verbraucht. Es könnte aber mit 6 Litern fahren.

Haus aus den 70er Jahren mit altem und neuem Kessel, Gasverbrauch sinkt um 28 Prozent.

Was du noch beachten musst

Ein Brennwertkessel allein macht dein Haus nicht effizient. Wenn deine Fenster undicht sind, deine Wände ungedämmt sind oder deine Heizkörper zu klein, dann verlierst du die meisten Einsparungen wieder. Die Verbraucherzentrale sagt klar: Bevor du einen neuen Kessel kaufst, prüfe die gesamte Heizungsanlage - Rohre, Pumpen, Thermostate, Heizkörper.

Ein Beispiel: Ein Haus aus den 90ern hat einen neuen Brennwertkessel, aber die Heizkörper sind aus den 70ern. Die Rohre sind nicht isoliert. Die Pumpe dreht sich immer mit voller Leistung. Was passiert? Der Kessel arbeitet effizient, aber die Wärme kommt nicht da an, wo sie gebraucht wird. Du sparest nur 5 Prozent - statt 25.

Es lohnt sich also, die ganze Anlage zu überprüfen. Ein Schornsteinfeger oder ein Energieberater kann dir in einem Tag zeigen, wo die Schwachstellen liegen. Das kostet oft nur 100 bis 200 Euro - aber kann dir später tausende Euro sparen.

Die Zukunft: Warum Brennwertkessel nicht die Lösung sind

Ein Brennwertkessel ist heute die beste fossile Lösung. Aber er ist nicht die Zukunft. Warum? Weil er immer noch Gas oder Öl verbrennt. Und das wird teurer.

Seit 2024 gibt es in Österreich eine CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe. Sie steigt jedes Jahr. In fünf Jahren wird Gas 30 Prozent teurer sein als heute. Öl schon 45 Prozent. Diese Kosten zahlt am Ende immer der Hausbesitzer.

Zudem gibt es keine staatliche Förderung mehr für neue Gas- oder Öl-Brennwertkessel. Seit 2024 ist das so. Du bekommst keinen Cent vom Staat, wenn du einen neuen Kessel einbaust - egal wie effizient er ist. Das ist ein klares Signal: Der Staat will, dass du auf erneuerbare Systeme umsteigst.

Wärmepumpen sind da die bessere Wahl. Sie nutzen Umweltwärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser. Sie brauchen nur Strom - und der wird immer grüner. Eine Wärmepumpe hat einen Nutzungsgrad von 250 bis 500 Prozent. Das klingt wie Zauberei, ist aber Physik. Sie holt mehr Wärme aus der Umwelt, als sie an Strom verbraucht.

Ein Hybrid-System aus Wärmepumpe und Brennwertkessel ist eine gute Übergangslösung. Die Wärmepumpe macht den Großteil der Arbeit - und der Brennwertkessel springt nur bei echter Kälte ein. Das spart Gas, reduziert Kosten und ist flexibel. EVM hat in 2023 in 120 Häusern in Tirol so ein System getestet - die Heizkosten sanken um durchschnittlich 40 Prozent.

Vergleich: Fossiler Kessel mit steigenden Kosten vs. Wärmepumpe mit erneuerbarer Energie.

Wann lohnt sich ein Brennwertkessel?

Es gibt keine allgemeine Antwort. Aber hier ist eine einfache Faustregel:

  • Wenn dein Kessel älter als 20 Jahre ist - dann lohnt sich ein Austausch. Die Technik hat sich seitdem massiv verbessert.
  • Wenn du ein Haus aus den 70er oder 80er Jahren hast - und du keine Dämmung machen kannst - dann ist ein Brennwertkessel die beste Option, die du hast.
  • Wenn du ein Haus aus den 90er Jahren hast - und du schon einen Niedertemperaturkessel hast - dann überlege dir, ob du nicht gleich auf eine Wärmepumpe umsteigst. Die Förderung ist noch verfügbar.
  • Wenn du ein Haus aus den 2000er Jahren hast - dann ist ein Brennwertkessel überflüssig. Du hast eine moderne Heizung. Warte, bis du auf erneuerbare Technik umsteigen kannst.

Die gesetzliche Pflicht, alte Kessel zu ersetzen, greift erst bei 30 Jahren. Aber wirtschaftlich lohnt sich der Austausch schon bei 20 Jahren. Jeder Kessel, der älter als 20 Jahre ist, verbraucht unnötig viel Energie. Du zahlst dafür - und du trägst zur CO2-Emission bei.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du überlegst, deine Heizung zu ersetzen, dann tue das nicht nur, weil du es musst. Tue es, weil du es kannst - und weil es dir Geld spart.

Starte mit einem einfachen Schritt: Lass deine Heizungsanlage von einem unabhängigen Energieberater prüfen. Das kostet 150 Euro - und du bekommst eine detaillierte Liste, was wirklich sinnvoll ist. Vielleicht brauchst du gar keinen neuen Kessel. Vielleicht reicht es, die Pumpe zu tauschen oder die Heizkörper zu reinigen.

Wenn du doch einen neuen Kessel brauchst, dann entscheide dich nicht für den billigsten. Ein Brennwertkessel ist ein Investment. Kaufe ein Modell mit hoher Effizienz, guter Steuerung und langem Garantiezeitraum. Die Unterschiede zwischen günstigen und teuren Modellen liegen nicht nur beim Preis - sondern bei der Lebensdauer und den Betriebskosten.

Und denke langfristig: Jeder neue Brennwertkessel, den du einbaust, ist ein Schritt in die falsche Richtung. Er bindet dich an fossile Energie. Die Zukunft gehört den Wärmepumpen, der Solarthermie und der Geothermie. Der beste Kessel, den du heute installierst, ist der, der dir in 15 Jahren den Umstieg auf erneuerbare Energien erleichtert - nicht der, der nur die nächsten 10 Jahre läuft.

Wann muss ich meine alte Heizung wirklich ersetzen?

Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) musst du deine Heizung ersetzen, wenn sie älter als 30 Jahre ist. Das gilt für alle Kessel, die mit Gas oder Öl betrieben werden. Aber wirtschaftlich lohnt sich der Austausch schon ab 20 Jahren. Ab dann sind die Energieverluste so groß, dass du deutlich mehr zahlst als nötig. Auch die Wartungskosten steigen mit dem Alter.

Kann ich einen Brennwertkessel auch mit Öl betreiben?

Ja, es gibt Öl-Brennwertkessel. Sie funktionieren genauso wie Gas-Brennwertkessel, nutzen aber Heizöl. Allerdings ist die Förderung für Ölheizungen seit 2024 komplett gestrichen, und die CO2-Abgabe auf Öl ist höher als auf Gas. Deshalb ist ein Öl-Brennwertkessel heute nur in Ausnahmefällen sinnvoll - etwa, wenn du keinen Gasanschluss hast und keine Wärmepumpe einbauen kannst.

Warum bekomme ich keine Förderung für einen Brennwertkessel?

Seit 2024 gibt es in Österreich keine staatliche Förderung mehr für neue Gas- oder Öl-Brennwertkessel. Der Grund: Der Staat will den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beschleunigen. Förderungen gibt es nur noch für Wärmepumpen, Solarthermie, Holzpellets oder Hybridlösungen mit erneuerbaren Energien. Ein Brennwertkessel ist kein zukunftsfähiges System - deshalb wird er nicht mehr unterstützt.

Ist ein Brennwertkessel gefährlich?

Nein, ein Brennwertkessel ist nicht gefährlicher als andere moderne Heizungen. Er muss jedoch von einem Fachmann installiert werden, besonders wegen des Kondensatabflusses. Das Kondensat ist leicht sauer und kann Rohre angreifen, wenn es nicht richtig abgeleitet wird. Auch die Abgasleitung muss dicht und korrosionsbeständig sein. Ein gut installierter Kessel ist sicher und zuverlässig.

Was ist besser: Brennwertkessel oder Wärmepumpe?

Für die meisten Hausbesitzer ist heute eine Wärmepumpe die bessere Wahl. Sie spart mehr Energie, ist zukunftsfähig, und du bekommst Förderung. Ein Brennwertkessel lohnt sich nur, wenn du ein schlecht gedämmtes Haus hast und keine Wärmepumpe einbauen kannst. Langfristig ist die Wärmepumpe günstiger, umweltfreundlicher und unabhängiger von Energiepreisen.

Antoinette Adam

Antoinette Adam

Ich bin Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt in Innsbruck und fertige maßgefertigte Möbel und Innenausbauten. Neben meiner Arbeit schreibe ich gerne über immobilienbezogene Themen aus handwerklicher Perspektive. Ich liebe es, technische Details verständlich zu erklären.

Tischlerei Innentüren Einblick