Energieeffizienz und Immobilienwert: Wie viel mehr kosten A+ Häuser?
25 Mai
von Marlene Wiesner 0 Kommentare

Früher kaufte man ein Haus vor allem wegen der Lage, der Größe oder des schönen Gartens. Heute ist da noch ein zweiter, fast schon gleichwertiger Faktor im Spiel: Der Energieausweis. Wenn Sie sich heute eine Immobilie ansehen, wissen Sie genau, dass die energetische Qualität nicht nur Ihre Heizkosten bestimmt, sondern massiv in die Bewertung eingeht. Die Zeiten, in denen ein schlechter Dämmzustand einfach ignoriert wurde, sind vorbei. Seit dem neuen Energieeffizienzgesetz (GEG) Ende 2023 und den gestiegenen Energiepreisen hat sich die Rechnung geändert. Eine energieeffiziente Immobilie ist heute kein Nischenthema mehr für Öko-Bewusste, sondern ein harter Währungsfaktor am Markt.

Die Frage ist jedoch nicht nur, ob Effizienz Wert schafft, sondern wie viel genau. Gibt es harte Daten? Lassen sich die Kosten einer Sanierung wirklich durch einen höheren Verkaufspreis amortisieren? Oder handelt es sich hier um Hype? Schauen wir uns die aktuellen Studien und Zahlen an, die seit 2024 und 2025 veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse sind klar: Wer auf Effizienz setzt, zahlt heute weniger Miete oder Kaufpreis - und wer saniert, kann diesen Vorteil später wieder einsammeln.

Der Preisunterschied zwischen A+ und H: Was die Daten sagen

Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, wie viel Prozent eine Immobilie wertvoller wird. Es kommt stark auf die Art des Objekts und die Region an. Doch mehrere große Studien liefern uns konkrete Bandbreiten. Eine umfassende Analyse von ImmobilienScout24 im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) aus dem Jahr 2024 untersuchte 155.000 Objekte über zwölf Monate. Das Ergebnis war deutlich: Energieeffiziente Gebäude erzielen durchschnittlich 23 % höhere Preise als nicht sanierte Vergleichsobjekte.

Aber was bedeutet das konkret pro Quadratmeter? Hier hilft uns eine Quantifizierung durch Pandion Service. Wohnungen in den besten Klassen A+ und A liegen im Vergleich zu den mittleren Klassen D und E bei einem Aufschlag von etwa 650 Euro pro Quadratmeter. Das ist ein signifikanter Betrag. Ein 80-Quadratmeter-Wohnung in Klasse A+ kostet also rund 52.000 Euro mehr als das gleiche Objekt in Klasse D - vorausgesetzt, alle anderen Faktoren wie Lage und Ausstattung sind identisch.

Umgekehrt sieht es bei schlechten Klassen aus. Laut Immowelt führen Häuser der Klasse H zu Abschlägen von knapp 14 % gegenüber der Referenzklasse D. Häuser der Klasse A+ kosten hingegen rund 16 % mehr als solche der Klasse D. Diese Schere zieht sich weiter auseinander, je schlechter die Energiebilanz ist.

Wertunterschiede nach Energieeffizienzklasse (im Vergleich zur Klasse D)
Energieeffizienzklasse Wirkung auf den Preis Konkreter Unterschied
A+ / A Positiv (Aufschlag) +16 % bis +650 €/qm
D (Referenz) Neutral 0 %
H Negativ (Abschlag) -14 %

CO2-Emissionen als neuer Bewertungsfaktor

Ein besonders interessanter Trend zeigt sich in der Gewerbeimmobilienbewertung und zunehmend auch im Wohnbereich: Es geht nicht mehr nur um den Stromverbrauch, sondern direkt um die CO2-Emissionen. Eine Studie von Wüest Partner Deutschland, die 766 Käufe von Mehrfamilienhäusern in Berlin zwischen 2022 und 2025 analysierte, bringt das auf den Punkt.

Die Forscher stellten fest, dass energieeffiziente Gebäude dort 4,7 % höhere Kaufpreise erzielten. Noch präziser wurde es bei der Betrachtung der Emissionen: Je Kilogramm CO2-Emissionen pro Quadratmeter und Jahr sinkt der durchschnittliche Preis um rund zwei Euro pro Quadratmeter. Rüdiger Hornung, leitender Geschäftsführer für Immobilienbewertung und ESG bei Wüest Partner, erklärte dazu: 'CO2-Emissionen entwickeln sich zunehmend zu einem relevanten Bestimmungsfaktor der Immobilienbewertung.'

Bemerkenswert ist die Entwicklung der Korrelation. Im Jahr 2022 gab es kaum einen messbaren Zusammenhang (Korrelationskoeffizient von minus 0,08). Zwei Jahre später, 2024, war dieser Effekt deutlich sichtbar (minus 0,36). Das bedeutet: Der Markt lernt schnell. Käufer und Investoren strafen ineffiziente Gebäude immer härter mit niedrigeren Preisen ab. Ein Kilogramm CO2 pro Quadratmeter vergünstigte den Preis 2024 bereits spürbar.

Grafik: Höherer Immobilienwert durch Energieeffizienzklasse A+

Ländlicher Raum vs. Großstadt: Wo lohnt sich Sanieren?

Nicht überall wirkt sich Energieeffizienz gleich stark auf den Wert aus. Hier spielen regionale Unterschiede eine massive Rolle. Die BuVEG-Studie identifizierte den größten relativen Wertzuwachs bei energieeffizienten Häusern im ländlichen Raum mit 31 % höheren Marktpreisen. Doch der absolute Höhepunkt liegt bei städtischen Altbauten (Baujahr bis 1949), die nach Effizienzmaßnahmen durchschnittlich 44 % höhere Preise erzielen können.

Warum ist das so? In großen Städten wie München oder Hamburg ist die Nachfrage hoch, aber das Angebot an effizienten Altbauten gering. Wer hier saniert, hebt sich extrem vom Wettbewerb ab. Allerdings muss man hier die Kosten im Blick behalten. Eine Studie von FUB IGES und PriceHubble vom November 2024 zeigte dies am Beispiel von München und Hamburg sehr deutlich.

In München könnten Immobilien mit hohem Verbrauch durch Sanierung insgesamt 3,3 Milliarden Euro an Wert gewinnen. Nach Abzug der Sanierungskosten ergibt sich ein Nettogewinn von 2 Milliarden Euro (durchschnittlich 6,9 % Wertsteigerung). In Hamburg sieht es anders aus: Obwohl das potenzielle Wertsteigerungspotenzial mit 3,7 Milliarden Euro sogar höher ist, bleiben nach Abzug der oft höheren Sanierungskosten nur 0,3 Milliarden Euro übrig (0,6 %). In der Hansestadt fressen die Kosten also einen Großteil des Gewinns auf. Das zeigt: Sanieren lohnt sich finanziell am meisten, wenn die Grundstückspreise hoch sind und die Sanierungskosten moderat bleiben - typischerweise also in gehobenen Lagen großer Ballungsräume.

Das Problem der alten Gebäude: Warum der Markt drängt

Warum verändert sich der Markt so rasant? Ein Hauptgrund ist die Struktur des deutschen Gebäudebestands. Laut mcmakler.de weisen gerade einmal 13 % aller ausgestellten Energieausweise die positiven Kennwerte A, A+ oder B auf. Das bedeutet, dass 87 % der Immobilien noch Luft nach oben haben. Gleichzeitig sind laut BuVEG-Studie 60 % der 22 Millionen Gebäude in Deutschland aus energetischer Sicht unzureichend.

Die Techem Verbrauchskennwerte-Studie, die Daten aus 2,1 Millionen Wohnungen analysierte, bestätigt dies: Im Großteil der deutschen Immobilien ist die Energieeffizienz nicht ausreichend. Dies schafft enorme Einsparpotenziale, aber auch politische Druck. Gebäude verursachen relativ konstant etwa 14 bis 16 % der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland (2023 waren es 15,2 %).

Dieser politische Druck übersetzt sich direkt in Risiken für Eigentümer. Eine Analyse von ntv warnt vor Preisabschlägen von 20 bis 30 % für Häuser mit schlechter Energieeffizienzklasse in den kommenden Jahren. Wer jetzt nichts tut, riskiert also nicht nur hohe Nebenkosten, sondern eine direkte Wertminderung seines Vermögens.

Renovierung eines Wiener Altbaus für bessere Energiebilanz

Widersprüchliche Studien: Gab es mal keinen Effekt?

Man darf nicht vergessen, dass der Zusammenhang zwischen Energieeffizienz und Preis erst in jüngster Zeit so stark geworden ist. Eine ältere Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), zitiert von der LBBW im November 2024, zeigte, dass sich die Preise von energetisch schlechten Gebäuden zwischen 2018 und Mitte 2021 sogar besser entwickelten als die von effizienten Objekten.

Warum? Weil damals die Energiepreise noch niedrig waren und die gesetzlichen Anforderungen lockerer. Der Faktor 'Heizkosten' spielte für viele Käufer eine untergeordnete Rolle gegenüber der Kaufsumme selbst. Heute, mit volatilen Energiepreisen und strengeren Gesetzen, hat sich diese Dynamik umgekehrt. Der IfW Kiel bestätigte im November 2024, dass Wohnungen der Klasse A+ oder A nun deutliche Aufschläge erzielen, während ineffiziente Gebäude an Wert verlieren. Der Wendepunkt liegt also eindeutig in den letzten drei bis vier Jahren.

Fazit: Handlungsempfehlung für Eigentümer und Käufer

Wenn Sie eine Immobilie kaufen wollen: Ignorieren Sie den Energieausweis nicht. Er ist ein Indikator für zukünftige Kosten und für die Widerstandsfähigkeit des Objekts gegen Wertverlust. Ein Aufschlag von 650 Euro pro qm für Klasse A+ ist teuer, aber er kauft Ihnen Sicherheit und niedrigere laufende Kosten.

Wenn Sie eine Immobilie besitzen: Prüfen Sie, ob sich eine Sanierung rechnet. In Großstädten und bei Altbauten ist die Chance hoch, dass Sie die Kosten durch den steigenden Wert und die gesparten Energiekosten zurückholen. Im ländlichen Raum oder bei Neubauten, die bereits gut dämmen, ist der Hebel vielleicht kleiner, aber dennoch vorhanden. Mit dem geplanten flexibleren Heizungsgesetz der neuen Bundesregierung wird die Technologieoffenheit steigen, was Sanierungen einfacher machen könnte. Nutzen Sie diese Zeit, um Ihre Immobilie zukunftssicher zu machen.

Wie viel wertvoller ist eine Immobilie mit Energieeffizienzklasse A+?

Laut Studien von Pandion Service und Immowelt erzielen Immobilien der Klasse A+ im Vergleich zur mittleren Klasse D einen Aufschlag von etwa 16 %. In konkreten Zahlen entspricht das einem Zuschlag von rund 650 Euro pro Quadratmeter bei Wohnungen. Bei Altbauten in Städten kann der Wertzuwachs nach Sanierung sogar bis zu 44 % betragen.

Lohnt sich die energetische Sanierung finanziell?

In vielen Fällen ja, besonders in Großstädten. Eine Studie von FUB IGES und PriceHubble zeigt, dass in München nach Abzug der Sanierungskosten immer noch ein Nettogewinn von durchschnittlich 6,9 % des Immobilienwerts bleibt. In Hamburg ist der Gewinn geringer (0,6 %) aufgrund höherer Sanierungskosten. Es hängt also stark von der Lage und den lokalen Baukosten ab.

Welchen Einfluss haben CO2-Emissionen auf den Kaufpreis?

CO2-Emissionen werden immer wichtiger. Eine Studie von Wüest Partner ergab, dass der Kaufpreis pro Kilogramm CO2-Emissionen pro Quadratmeter und Jahr um rund zwei Euro sinkt. Der Zusammenhang hat sich zwischen 2022 und 2024 deutlich verstärkt, was zeigt, dass Investoren ineffiziente Gebäude zunehmend bestrafen.

Wie groß ist der Anteil energieeffizienter Gebäude in Deutschland?

Der Anteil ist sehr gering. Nur 13 % aller ausgestellten Energieausweise zeigen die guten Klassen A, A+ oder B. Rund 60 % der 22 Millionen Gebäude in Deutschland gelten als energetisch unzureichend, was ein enormes Sanierungspotenzial darstellt.

Gibt es regionale Unterschiede beim Wertzuwachs durch Effizienz?

Ja, signifikante. Im ländlichen Raum liegen die Preise für effiziente Häuser 31 % höher als für ineffiziente. In Städten, insbesondere bei Altbauten (bis 1949), kann der Unterschied sogar 44 % betragen. Allerdings müssen in teuren Städten wie Hamburg die hohen Sanierungskosten vom Wertgewinn abgezogen werden, was den Nettoeffekt reduziert.

Marlene Wiesner

Marlene Wiesner

Ich bin Tischlerin mit über 20 Jahren Erfahrung und spezialisiere mich auf Innentüren. Neben meiner handwerklichen Tätigkeit schreibe ich leidenschaftlich gerne über meine Projekte und teile Tipps und Tricks.

Tischlerei Innentüren Einblick