Elektriker beauftragen: Worauf Sie bei Hausinstallationen achten müssen
2 Feb
von Antoinette Adam 0 Kommentare

Wenn Sie eine neue Wohnung bauen, sanieren oder einfach nur eine Steckdose austauschen wollen: Elektrik ist kein DIY-Projekt. In Deutschland darf nur ein qualifizierter Elektriker elektrische Installationen durchführen. Wer das ignoriert, setzt nicht nur sich und seine Familie in Gefahr, sondern gefährdet auch die Versicherung. Ein falsch verlegtes Kabel kann einen Brand auslösen - und das ist kein Szenario aus dem Horrorfilm, sondern eine Realität, die jedes Jahr Tausende von Haushalten trifft.

Warum darf nur ein Elektriker arbeiten?

In Deutschland ist es gesetzlich verboten, elektrische Installationen ohne Fachkenntnisse zu machen. Das steht in der Handwerksordnung (HwO). Selbst wenn Sie glauben, eine Steckdose einfach einzubauen - das ist kein Klempnerjob. Es geht um Sicherheit. Jedes Jahr sterben in Deutschland nur 0,3 Menschen pro 100.000 Einwohner durch elektrische Unfälle. In Ländern wie Griechenland oder Italien ist die Zahl doppelt so hoch. Warum? Weil hier strenge Regeln gelten. Die Normen DIN VDE 0100 und DIN 18015 regeln genau, wie Leitungen verlegt werden, welche Kabelquerschnitte nötig sind und wo Steckdosen und Lichtschalter hinkommen. Wer das nicht kennt, macht Fehler - und die sind oft tödlich.

Was sagt die Norm wirklich?

Die wichtigste Norm für Ihre Wohnung ist die DIN 18015-1:2021-10. Sie sagt: Jede Wohnung braucht mindestens drei Stromkreise, wenn sie unter 60 Quadratmetern groß ist. Bei größeren Wohnungen sind es vier. Warum? Weil ein einzelner Stromkreis nicht für alle Geräte gleichzeitig ausgelegt ist. Wenn Sie Herd, Waschmaschine, Kühlschrank und Heizung an einem Kreis betreiben, überlasten Sie das System. Das führt zu Überhitzung, Kurzschlüssen - und manchmal zu Feuer.

Die Kabel selbst müssen auch passen. Für Lichter reicht 1,5 mm², für Steckdosen mindestens 2,5 mm². Für Elektroherde oder Ladestationen für E-Autos braucht es sogar 4 mm² oder mehr. Und die Verlegung? Die darf nur in festgelegten Zonen erfolgen. In Wänden darf man nur senkrecht oder waagerecht verlegen, maximal 5 cm tief. Keine diagonalen Leitungen, keine Versteckungen hinter Fliesen. Das ist kein Wunsch, das ist Gesetz. Und wenn Sie später eine Bohrung machen - etwa für ein Regal - und dabei ein Kabel durchbohren? Dann ist das Ihre Schuld. Ein professioneller Elektriker dokumentiert alles. Mit Fotos, mit Plänen. Damit Sie und zukünftige Mieter wissen, wo was liegt.

Was muss der Elektriker nachweisen?

Nicht jeder, der sich Elektriker nennt, ist einer. Prüfen Sie immer: Ist er in die Handwerksrolle eingetragen? Das können Sie auf der Website Ihrer zuständigen Handwerkskammer nachsehen. Dort steht, ob er legal arbeiten darf. Dann fragen Sie nach der Sachkunde nach DGUV Vorschrift 3 und DIN VDE 1000-10. Das ist die offizielle Prüfung, die jeder Elektriker ablegen muss. Ein seriöser Betrieb hat diese Zertifikate immer griffbereit.

Und die Versicherung? Die ist nicht optional. Ein guter Elektriker hat eine Haftpflichtversicherung von mindestens 3 Millionen Euro. Warum so viel? Weil ein Fehler in der Installation Schäden von 50.000 Euro und mehr verursachen kann. Ein kaputter Warmwasserspeicher, ein beschädigter Smart-Home-Server, ein Brand - das kostet. Und wenn der Elektriker keine Versicherung hat? Dann zahlen Sie. Und zwar selbst.

Ein Laienversuch mit Balkonkraftwerk neben einem professionell installierten Wallbox-Anschluss.

Was kostet eine ordentliche Installation?

Ein Austausch einer Steckdose kostet heute zwischen 80 und 120 Euro. Klingt viel? Ja. Aber vergleichen Sie das mit dem Preis eines Schadens: 3.500 Euro, wie ein Nutzer auf hausfrage.net berichtete, nachdem ein ungeprüfter Handwerker den Herd falsch angeschlossen hatte. Oder den Preis einer versicherten Installation: 1.200 Euro für eine 3-Zimmer-Wohnung, inklusive Dokumentation und Prüfbericht - und die Versicherung zahlt alles. Das ist kein Luxus, das ist Versicherungsschutz.

Die durchschnittliche Stundensatz liegt mittlerweile bei 89 Euro. Das ist ein Anstieg von fast 24 Prozent seit 2020. Warum? Weil es zu wenig Fachkräfte gibt. 78 Prozent der Elektrobetriebe können keine Gesellen mehr finden. Die Wartezeit für einen Termin beträgt in München oder Berlin bis zu 35 Tage. Wer jetzt spart, wartet länger - und riskiert mehr.

Was ist mit Balkonkraftwerken und Wallboxen?

Modernes Wohnen heißt auch: Solarstrom vom Balkon, E-Auto an der Wand. Aber das ist kein Plug-and-Play. Die Norm DIN VDE 0100-550, die im September 2024 aktualisiert wird, wird genau regeln, wie diese Systeme angeschlossen werden müssen. Bis dahin: Kein Laie darf das machen. 67 Prozent der privat installierten Balkonkraftwerke verstoßen gegen Sicherheitsvorschriften. Das heißt: Sie liefern Strom - aber ohne Überspannungsschutz, ohne Fehlerstromschutzschalter, ohne Dokumentation. Das ist nicht nur unsicher, das ist auch versicherungsrechtlich problematisch.

Und Wallboxen? Die brauchen einen eigenen Stromkreis, oft mit 11 kW oder mehr. Das erfordert eine neue Leitung vom Zähler bis zur Garage. Ein Elektriker prüft, ob Ihr Hausanschluss das aushält. Wenn nicht, muss der Netzbetreiber eine Verstärkung vornehmen. Das kostet Zeit und Geld - aber es ist notwendig. Ein falsch installierter Ladeanschluss kann die gesamte Hausinstallation überlasten.

Vergleich: chaotische alte Elektroinstallation versus ordnungsgemäß dokumentierte moderne Installation.

Wie finden Sie den richtigen Elektriker?

Verwenden Sie keine anonymen Plattformen ohne Prüfung. Suchen Sie nach Betrieben, die sich auf Wohngebäude spezialisiert haben. Fragen Sie direkt:

  • Haben Sie einen Prüfbericht nach DIN VDE 0701-0702 für die letzte Installation?
  • Können Sie mir Referenzen von ähnlichen Projekten zeigen?
  • Arbeiten Sie nach der aktuellen DIN 18015-2:2021-10?
  • Wie dokumentieren Sie die Verlegung der Leitungen?

Ein guter Elektriker bringt nicht nur Kabel und Schrauben mit. Er bringt einen Plan. Er erklärt, warum er einen bestimmten Kabelquerschnitt wählt. Er zeigt Ihnen, wo die Leitungen verlaufen. Und er gibt Ihnen den Prüfbericht - schriftlich, mit Unterschrift, mit Datum. Ohne diesen Bericht ist Ihre Installation nicht versichert. Punkt.

Was passiert, wenn Sie sparen?

41 Prozent der Nutzer auf Trustpilot berichten: Die Endkosten lagen 20 bis 35 Prozent über dem Kostenvoranschlag. Warum? Weil der Elektriker zuerst die Normen prüft - und dann merkt, dass die alte Installation nicht mehr standhält. Oder weil ein versteckter Schaden entdeckt wird: alte, brüchige Leitungen, fehlender Erdungsanschluss, keine Fehlerstromschutzschalter. Das sind keine Überraschungen - das sind Folgen von Nachlässigkeit.

Und wenn Sie einen Billiganbieter nehmen? Dann riskieren Sie:

  • Einen Brand durch überlastete Leitungen
  • Eine Versicherungsleistung, die verweigert wird
  • Eine Rechnung von 10.000 Euro, weil die gesamte Installation erneuert werden muss
  • Ein Jahr Wartezeit, bis ein neuer Elektriker die Schäden reparieren kann

Das ist kein Risiko. Das ist Selbstmord mit Strom.

Was kommt als Nächstes?

Die Energiewende verändert alles. Bis 2030 wird der Bedarf an modernisierten Elektroinstallationen um 65 Prozent steigen. Mehr Heizungen, mehr E-Autos, mehr Smart-Home-Systeme. Wer heute nicht auf die Zukunft baut, wird morgen teuer bezahlen. Ein guter Elektriker plant nicht nur für heute - er plant für morgen. Er legt Kabel, die auch für eine Wallbox oder eine größere Solaranlage ausreichen. Er lässt Platz für zukünftige Technik. Das ist kein Extra. Das ist Standard.

Die Normen sind komplex. Die Fachkräftelücke ist groß. Die Risiken sind real. Aber die Lösung ist einfach: Vertrauen Sie auf Experten. Lassen Sie sich beraten. Fragen Sie nach den Normen. Fordern Sie den Prüfbericht. Und zahlen Sie fair - für Sicherheit, für Ruhe, für die Zukunft Ihrer Familie.

Antoinette Adam

Antoinette Adam

Ich bin Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt in Innsbruck und fertige maßgefertigte Möbel und Innenausbauten. Neben meiner Arbeit schreibe ich gerne über immobilienbezogene Themen aus handwerklicher Perspektive. Ich liebe es, technische Details verständlich zu erklären.

Tischlerei Innentüren Einblick