Backsteinwand sanieren: Die richtige Fugensanierung an der Ziegelfassade
22 Mär
von Marlene Wiesner 0 Kommentare

Wenn Ihre alte Backsteinwand anfangt, sich zu lösen, Feuchtigkeit eindringt oder die Fugen rissig und bröckelig werden, ist es nicht Zeit, die ganze Fassade abzutragen. Die Lösung liegt oft viel einfacher und günstiger: in der Fugensanierung. Viele Hausbesitzer in Lübeck, Hamburg oder Schleswig-Holstein unterschätzen, wie viel Lebensdauer und Wert sie mit einer gezielten Fugensanierung retten können. Dabei ist es nicht schwer, die richtige Methode zu wählen - wenn man weiß, worauf es ankommt.

Warum Fugen sanieren? Die wichtigsten Gründe

Die Fugen zwischen den Ziegelsteinen sind nicht nur dekorativ. Sie sind das Atemsystem der Fassade. Wenn sie beschädigt sind, dringt Wasser ein, friert im Winter aus, dehnt sich aus und sprengt den Stein. Das führt nicht nur zu unschönen Flecken, sondern auch zu langfristigen Schäden: feuchte Wände, Schimmel, abblätternder Putz - und am Ende sogar zu instabilen Mauerwerken.

Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau (DGfM) sagt klar: Eine fachgerechte Fugensanierung kann bis zu 70 % der Kosten einer kompletten Fassadensanierung einsparen. Und sie verlängert die Lebensdauer der Wand um 30 bis 50 Jahre. Das ist kein kleiner Unterschied - das ist die Differenz zwischen einer Investition und einer Verschwendung.

Im Gegensatz zu einer Putzsanierung oder einer Vollabdichtung bleibt bei der Fugensanierung der ursprüngliche Charakter der Fassade erhalten. Die Ziegel sehen aus wie vorher, nur sauber und geschützt. Das ist besonders wichtig bei historischen Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen. Hier ist die Fugensanierung sogar der offizielle Standard - laut einer Umfrage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird sie in 92,4 % der Fälle als erste Wahl empfohlen.

Wie wird eine Fugensanierung richtig durchgeführt?

Es gibt keinen Patentrezept, aber es gibt klare Regeln. Die ersten Schritte sind immer die gleichen:

  1. Fugen ausbauen: Die alten Fugen müssen vollständig entfernt werden. Die Ausbautiefe sollte 2,5 bis 3 cm betragen - das entspricht etwa der doppelten Breite der ursprünglichen Fuge. Bei einer typischen Fugenbreite von 10 mm bedeutet das: mindestens 20 mm tief rausholen. Nicht zu flach, sonst hält der neue Mörtel nicht. Nicht zu tief, sonst wird der Stein beschädigt.
  2. Reinigen: Nach dem Ausbauen muss alles staubfrei sein. Mit einer Fugenbürste, Druckluft oder einem speziellen Fräsaufsatz am Hochdruckreiniger (mit Vorsicht!) wird der Rest entfernt. Wichtig: Die Ziegeloberfläche darf nicht beschädigt werden. Ein Hammer und Meißel sind hier fehl am Platz. Besser: eine Einstechklingen-Handsäge oder ein Hartholz zum Vorspannen.
  3. Vorbehandlung: Wenn die Fugen trocken sind - was bei alten Mauern fast immer der Fall ist - muss man sie vor dem Verfugen nass machen. Ein einfaches Sprühen mit Wasser reicht. Das verhindert, dass der frische Mörtel zu schnell sein Wasser verliert und brüchig wird.

Dann kommt der Mörtel - und hier liegt der größte Fehler bei fast jeder schlechten Sanierung.

Welcher Mörtel ist der richtige?

Nicht jeder Mörtel passt zu jedem Stein. Das ist der entscheidende Punkt. Und es ist kein Zufall, dass 63,2 % der Unzufriedenen eine falsche Mörtelwahl hatten.

Bei Gebäuden vor 1945: Nur kalkgebundene Mörtel. Zementhaltige Mörtel sind hier tabu. Warum? Weil sie zu hart sind. Sie verhindern, dass Feuchtigkeit entweicht. Die Feuchtigkeit bleibt im Stein, führt zu Frostschäden und spaltet die Ziegel. Die Druckfestigkeit des neuen Mörtels muss mindestens 20 % niedriger sein als die des alten Mauerwerks. Empfohlen: Mauermörtel FM II oder FM III.

Bei Gebäuden nach 1945: Hier dürfen zementhaltige Mörtel eingesetzt werden. Empfohlen: M10 oder Fugmörtel M5. Diese bieten mehr Festigkeit und sind widerstandsfähiger gegen Witterung. Die Rohdichte sollte mindestens 1,6 g/cm³ betragen - aber nicht höher als die des originalen Mauerwerks um mehr als 0,2 g/cm³. Sonst entstehen Spannungen.

Die BAM-Forschung hat gezeigt: Ein kalkgebundener Mörtel auf einem alten Ziegelstein ist wie eine natürliche Haut - er atmet. Ein zementhaltiger Mörtel ist wie eine Plastikfolie - er versiegelt. Und das ist der Grund, warum viele Fassaden nach einer „modernisierten“ Sanierung noch schneller kaputtgehen.

Ein Tipp: Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie einen Stein aus der Wand nehmen und in ein Labor bringen. Die Materialanalyse kostet etwa 50 Euro - aber sie verhindert teure Fehler.

Handwerker füllt kalkbasierten Mörtel in gereinigte Fugen mit Fugeisen, Wasserflasche und Werkzeuge im Vordergrund.

Die Werkzeuge: Was braucht man wirklich?

Man braucht nicht viel - aber das Richtige:

  • Fugenbürste: Für die grobe Reinigung nach dem Ausbauen.
  • Einstechklingen-Handsäge: Für präzises Entfernen ohne Steinbeschädigung.
  • Fugeisen (kurz und lang): Kurz für vertikale Stoßfugen, lang für horizontale Lagerfugen.
  • Fugblech: Für gleichmäßige Fugenformung.
  • Bohrmaschine mit Rührquirl: Für das Anrühren des Mörtels - nicht mit der Hand! Der Mörtel muss erdfeucht und gut formbar sein.
  • Wasserflasche mit Sprühkopf: Für die Vorfeuchtung der Fugen.

Wichtig: Der angerührte Mörtel hält nur etwa eine Stunde. Deshalb nie zu viel auf einmal anrühren. Besser: kleine Portionen, dafür öfter.

Kosten und Zeit: Was kostet das?

Im Vergleich zu anderen Sanierungen ist die Fugensanierung der günstigste Weg:

Vergleich der Sanierungsarten für eine Ziegelfassade
Methode Kosten pro m² Dauer für 20 m² Lebensdauer
Fugensanierung 35-55 € 2,5 Tage 30-50 Jahre
Putzsanierung 80-120 € 3-4 Tage 15-25 Jahre
Vollabdichtung 120-180 € 4-5 Tage 10-15 Jahre

Die Arbeitszeit liegt bei etwa 25-30 Minuten pro Quadratmeter. Für eine 20 m² große Fassade braucht ein erfahrenes Team also etwa 2,5 Arbeitstage. Die Materialkosten sind dabei nur ein Teil - der Aufwand liegt in der Handarbeit. Aber es lohnt sich: Die Zufriedenheitsrate bei fachgerechter Fugensanierung liegt laut Deutschem Handwerkskammertag bei 87,4 %.

Was ist der größte Fehler?

Der häufigste Fehler? Die Vorbehandlung vergessen. Wer die Fugen nicht vorfeuchtet, sorgt dafür, dass der frische Mörtel zu schnell austrocknet. Das Ergebnis: Risse, Brüchigkeit, schlechte Haftung.

Ein anderer Fehler: Der falsche Mörtel. Wer zementhaltigen Mörtel auf ein Haus aus den 1920ern aufträgt, zerstört es langfristig. Das hat Prof. Dr. Markus Lehmann von der Universität Kassel in seinem Fachartikel deutlich gesagt: „Wenn das Mauerwerk nicht mehr atmen kann, stirbt es.“

Und dann gibt es noch den Fehler: zu viel Druck beim Verfugen. Der Mörtel muss nur leicht in die Fuge gedrückt werden - nicht mit Wucht. Sonst wird er zu dicht, und die Feuchtigkeit kann nicht entweichen.

Vergleich: atmender Kalkmörtel mit Feuchtigkeitsabfuhr vs. versiegelnder Zementmörtel mit Frostschäden an Ziegelsteinen.

Was kommt als Nächstes? Neue Technologien

Die Fugensanierung ist kein veralteter Prozess - sie entwickelt sich weiter. Die BAM hat im März 2024 einen neuen Prüfstandard für biobasierte Fugmörtel veröffentlicht, die bis zu 30 % pflanzliche Zusätze enthalten. Das ist ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Auch die Digitalisierung macht Einzug: Das Ziegel-Planungstool von Architektenordner (Version 2.3.9) berechnet jetzt genau, wie viel Mörtel man braucht, und simuliert das Fugbild vorher. Das verhindert Über- oder Unterbestellung.

Und die TU Dresden forscht an „intelligenten Fugmörteln“ - die sich bei Feuchtigkeitseintritt selbst heilen. Noch in der Entwicklung, aber ein Blick in die Zukunft.

Wann ist eine Fugensanierung nicht die Lösung?

Nicht jede beschädigte Fassade lässt sich retten. Wenn die Ziegel selbst brüchig sind, wenn sie sich bei leichtem Druck lösen, wenn die Mauerwerksstruktur nicht mehr tragfähig ist - dann ist die Fugensanierung zu spät. Dann muss man tiefer greifen: Teile der Wand ersetzen, die Tragfähigkeit wiederherstellen. Das ist dann eine komplett andere Sanierung.

Ein guter Anhaltspunkt: Wenn Sie mehr als 20 % der Steine beschädigt sehen, ist es Zeit, einen Fachmann zu holen. Nicht nur für die Fugen - sondern für die ganze Konstruktion.

Was tun, wenn man unsicher ist?

Wenn Sie nicht wissen, ob Ihre Fassade vor 1945 gebaut wurde, ob der alte Mörtel kalk- oder zementhaltig war, ob die Fugen nur oberflächlich beschädigt sind - dann lassen Sie sich beraten. Ein Bauingenieur oder ein Denkmalpfleger kann in einer Stunde die Situation beurteilen. Die Kosten dafür liegen bei 150-250 €. Das ist Geld, das Sie später sparen.

Und wenn Sie selbst Hand anlegen wollen: Fangen Sie klein an. Sanieren Sie eine kleine Wandfläche von 2 m². Probieren Sie den Mörtel aus. Lernen Sie die Werkzeuge kennen. Wenn es gut geht, machen Sie die nächste Fläche. Wenn nicht, haben Sie nur wenig verloren - und viel gelernt.

Marlene Wiesner

Marlene Wiesner

Ich bin Tischlerin mit über 20 Jahren Erfahrung und spezialisiere mich auf Innentüren. Neben meiner handwerklichen Tätigkeit schreibe ich leidenschaftlich gerne über meine Projekte und teile Tipps und Tricks.

Tischlerei Innentüren Einblick