Treppenlift einbauen: Praktische Lösungen für Senioren und Menschen mit Behinderung
19 Jan
von Antoinette Adam 0 Kommentare

Warum ein Treppenlift mehr ist als nur eine technische Hilfe

Stellen Sie sich vor, Sie können nicht mehr selbst die Treppe hochgehen. Nicht, weil Sie schwach sind, sondern weil Ihre Beine nicht mehr mitmachen. Oder weil Sie Angst haben, zu stürzen. Das ist keine Seltenheit. In Deutschland ist jeder fünfte Mensch über 65 Jahre alt - und viele von ihnen leben noch in ihren eigenen Häusern. Ein Treppenlift ist nicht nur ein Gerät, das Sie nach oben bringt. Er gibt Ihnen Ihre Selbstständigkeit zurück. Er verhindert, dass Sie auf Hilfe angewiesen sind. Und er kann sogar Ihre Pflegebedürftigkeit um mehr als zwei Jahre hinauszögern, wie Studien zeigen.

Ein Treppenlift ist kein Luxus. Er ist eine medizinische Notwendigkeit. Wer nicht mehr selbst die Treppe bewältigen kann, verliert schnell den Kontakt zur eigenen Wohnung, zur Familie, zum Alltag. Der Treppenlift macht es möglich, weiterhin im eigenen Zuhause zu leben - ohne fremde Hilfe, ohne Umzug, ohne Verlust der Würde.

Welche Arten von Treppenliften gibt es?

Nicht jede Treppe ist gleich. Und deshalb gibt es auch nicht nur einen Typ von Treppenlift. Die Wahl hängt von der Form Ihrer Treppe, Ihrer Mobilität und Ihrem Budget ab.

  • Gerade Treppenlifte sind die einfachste und günstigste Lösung. Sie funktionieren auf geraden Treppen, ohne Kurven oder Landungen. Kosten: zwischen 3.000 und 6.500 €. Die Installation dauert oft nur einen Tag - manchmal sogar nur einige Stunden.
  • Kurventreppenlifte passen sich jeder Treppe an: mit Winkeln, Landungen, engen Stufen. Sie sind komplexer, daher teurer: 8.000 bis 15.000 €. Die Messung und Planung dauern länger, aber die Anpassung ist präzise - und sie passen fast überall.
  • Plattformlifte sind für Menschen gedacht, die im Rollstuhl sitzen oder einen Gehwagen brauchen. Sie heben nicht nur, sondern tragen auch den Rollstuhl. Kosten: 12.000 bis 25.000 €. Sie brauchen mehr Platz, aber sie sind die einzige Lösung, wenn Sie nicht auf einen Sitz umsteigen können.

Alle Treppenlifte müssen den deutschen Normen entsprechen: DIN 18040 (Barrierefreiheit), DIN 18065 (Treppen) und DIN 4102-1 (Brandschutz). Das bedeutet: Nach der Installation muss mindestens 60 cm Breite für andere Hausbewohner übrig bleiben. Und der Lift muss bei Stromausfall noch mindestens 15 Fahrten schaffen - dank Akku. Das ist kein Bonus, das ist Pflicht.

Kosten: Was kostet ein Treppenlift wirklich?

Die Preise klingen hoch - und sie sind es auch. Aber im Vergleich zu anderen Lösungen ist der Treppenlift die günstigste Option.

Ein Personenaufzug in der Wohnung kostet mindestens 15.000 €, oft bis zu 40.000 €. Dazu kommt der bauliche Aufwand: Wände einreißen, neue Tragkonstruktionen bauen, Schächte ausbauen. Ein Treppenlift hingegen wird an die bestehende Treppe angebaut. Kein Umbau. Kein Staub. Kein monatelanger Baustellenlärm.

Und hier ist der entscheidende Punkt: Sie sparen nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Eine Studie der Hochschule München zeigt: Wer einen Treppenlift einbaut, spart im Vergleich zu einem Personenaufzug durchschnittlich 18.500 €. Und das ohne Verlust an Sicherheit oder Komfort.

Wartung kostet jährlich 150 bis 300 €. Die Lebensdauer liegt bei 15 bis 20 Jahren. Das macht den Treppenlift zu einer Investition, die sich über Jahre auszahlt - nicht nur finanziell, sondern auch emotional.

Rollstuhlfahrer wird mit einem Plattformlift auf einer gewölbten Treppe nach oben gefahren.

Förderung: Wer zahlt für den Treppenlift?

Die gute Nachricht: Sie müssen den Treppenlift nicht allein bezahlen. Es gibt mehrere Fördermöglichkeiten - wenn Sie wissen, wo und wie Sie suchen.

  • Pflegekasse: Ab Pflegegrad 1 zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 € (Stand 2025). Wenn mehrere Personen im Haushalt pflegebedürftig sind, können bis zu 16.720 € zusammenkommen. Wichtig: Der Antrag muss vor der Installation gestellt werden. Später ist es zu spät.
  • KfW: Die KfW-Bank bietet Zuschüsse von bis zu 5.000 € oder 10 % der Gesamtkosten - aber nur bei vorheriger Genehmigung. Das bedeutet: Kein Einbau, bevor die Zusage kommt.
  • Behindertenausweis: Bei einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr können Sie bis zu 4.000 € vom Sozialamt erhalten. Voraussetzung: Der Lift dient der Teilhabe am Leben.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie Anspruch haben. Eine Studie der Universität Hamburg zeigt: Nur 38 % der Berechtigten beantragen die Förderung. Der Grund? Zu viel Bürokratie, zu wenig Information. Machen Sie es nicht wie die anderen. Recherchieren Sie früh. Fragen Sie Ihre Pflegekasse. Lassen Sie sich beraten.

Wer kann einen Treppenlift einbauen - und was braucht man dafür?

Wenn Sie Mieter sind: Ja, Sie können einen Treppenlift einbauen. Das Gesetz sagt es klar: § 554a BGB gewährt Ihnen einen Anspruch, wenn Sie eine dauerhafte Behinderung haben. Aber: Sie brauchen die Zustimmung Ihres Vermieters. Die meisten Vermieter stimmen zu - besonders wenn Sie die Kosten übernehmen und den Lift bei Auszug wieder entfernen.

Wenn Sie Eigentümer sind: Seit der WEG-Reform 2020 ist es viel einfacher. Früher brauchten Sie die Einstimmigkeit aller Eigentümer. Heute reicht eine einfache Mehrheit. Das hat viele Hausgemeinschaften erleichtert. Und wenn Sie im Haus wohnen, das Sie selbst besitzen, dann ist es Ihre Entscheidung - und Sie können den Lift so planen, wie es für Sie passt.

Wichtig: Die Installation muss von einem Fachbetrieb durchgeführt werden. Kein Do-it-yourself. Der Lift muss geprüft, dokumentiert und abgenommen werden. Nur dann ist er sicher - und nur dann bekommen Sie Fördergelder.

Was passiert, wenn der Lift falsch installiert wird?

Ein schlecht installierter Treppenlift ist nicht nur ärgerlich - er ist gefährlich.

Architektin Susanne Meier von der Architektenkammer NRW warnt: 23 % der nachträglich installierten Lifte verletzen die Brandschutzvorschriften. Das bedeutet: Im Notfall kann der Lift den Fluchtweg blockieren. Und das kann lebensgefährlich sein.

Die Stiftung Warentest hat 15 Modelle getestet. Die Sicherheit war durchschnittlich „gut“ (Note 1,8). Aber: Viele Geräte haben keine einheitliche Notausschaltung. Das ist kein kleiner Mangel - das ist ein Risiko.

Ein weiterer häufiger Fehler: Zu wenig Platz. Die Treppe muss mindestens 80 cm breit sein. Sonst passt der Lift nicht, und andere Hausbewohner können nicht mehr sicher gehen. 18 % der Nutzer berichten von Konflikten mit Nachbarn - weil der Lift die Treppe blockiert. Planen Sie frühzeitig, messen Sie genau, und fragen Sie den Installateur nach der Auswirkung auf die Fluchtwege.

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Was bringen echte Nutzererfahrungen?

Die Zahlen sagen viel - aber die Geschichten sagen mehr.

Ein Nutzer aus Berlin, 68 Jahre alt, schreibt auf Senioren-Board.de: „Seit dem Einbau 2023 brauche ich keine Hilfe mehr bei der Treppe. Das gibt mir mein Selbstwertgefühl zurück.“ Er hat 4,8 von 5 Sternen gegeben.

Ein anderer aus München, 72, berichtet: „Der Lift blockiert jetzt den Fluchtweg. Musste nach 3 Monaten teuer angepasst werden.“ Er gab nur 2,1 Sterne.

Die Erfahrungen sind zweigeteilt: Wer den Lift richtig plant, ist zufrieden. Wer ihn schnell und billig einbaut, bereut es später. 92 % der Nutzer sind mit ihrem Treppenlift zufrieden - aber nur, wenn er professionell installiert wurde.

Die häufigsten Lobpunkte: Sicherheit (78 %), einfache Bedienung (65 %). Die häufigsten Kritikpunkte: hohe Wartungskosten (41 %), Nachbarkonflikte (29 %). Die Lösung? Warten Sie nicht bis zum Sturz. Planen Sie früh. Wählen Sie einen seriösen Anbieter. Fragen Sie nach Referenzen.

Die Zukunft: Smarte Treppenlifte und neue Gesetze

Der Markt wächst. 2025 wurden in Deutschland 62.000 Treppenlifte installiert. Der Umsatz lag bei 425 Millionen € - ein Anstieg von 8,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Die großen Anbieter sind Thyssenkrupp Access (28 % Marktanteil) und Stannah (19 %). Aber 53 % der Installationen kommen von kleinen, regionalen Firmen - oft mit besseren Service und schnellerer Reaktionszeit.

Die Zukunft ist digital. Bis 2028 sollen 45 % der neuen Treppenlifte „smart“ sein: mit IoT-Technik, die sich mit Ihrer Hausautomatisierung verbindet. Sie können den Lift per App steuern, den Status überprüfen, oder sogar den Akkustand von unterwegs sehen.

Die Bundesregierung plant mit dem „Aktionsplan Barrierefreies Wohnen 2026-2030“ eine Erhöhung der Zuschüsse um 15 % bis 2027. Und der Deutsche Behindertenrat fordert seit 2023, dass alle Neubauten Treppenliftvorbereitungen mit einplanen - koste es 380 € pro Wohnung. Bislang hat die Bauindustrie das abgelehnt. Aber die Nachfrage wächst. Und mit ihr der Druck.

Was tun, wenn Sie unsicher sind?

Wenn Sie nicht wissen, ob ein Treppenlift für Sie geeignet ist, fragen Sie sich:

  • Kann ich die Treppe noch ohne fremde Hilfe steigen?
  • Habe ich Angst, zu stürzen?
  • Benötige ich Hilfe beim Waschen, Essen oder Anziehen, weil ich nicht die Treppe hochkomme?

Wenn Sie mit „Ja“ antworten, dann ist ein Treppenlift die richtige Lösung - nicht als letzter Ausweg, sondern als kluge Vorsorge.

Starten Sie so:

  1. Prüfen Sie Ihre Pflegebedürftigkeit - beantragen Sie bei Ihrer Pflegekasse den Pflegegrad, wenn noch nicht geschehen.
  2. Informieren Sie sich über Fördermöglichkeiten - Pflegekasse, KfW, Sozialamt.
  3. Lassen Sie Ihre Treppe von einem Fachmann vermessen - nicht vom Verkäufer, sondern vom Installateur.
  4. Vergleichen Sie mindestens drei Angebote - nicht nur nach Preis, sondern nach Service, Garantie und Wartung.
  5. Stellen Sie sicher: Der Installateur prüft den Fluchtweg, die Brandschutznormen und die Stabilität der Treppe.
  6. Unterschreiben Sie erst, nachdem alle Fördermittel zugesagt wurden.

Ein Treppenlift ist kein Verlust an Freiheit. Er ist ein Gewinn an Selbstbestimmung. Und er ist die einfachste Art, in Ihrer eigenen Wohnung alt zu werden - ohne Angst, ohne Abhängigkeit, ohne Aufgabe.

Kann ich einen Treppenlift auch als Mieter einbauen?

Ja, als Mieter haben Sie nach § 554a BGB einen Anspruch auf die Installation eines Treppenlifts, wenn Sie eine dauerhafte Behinderung haben. Sie müssen den Vermieter schriftlich bitten und die Notwendigkeit nachweisen. Der Vermieter kann die Installation nicht ohne triftigen Grund ablehnen. Sie tragen die Kosten, aber der Lift muss bei Ihrem Auszug wieder entfernt werden - es sei denn, der Vermieter will ihn behalten.

Wie lange dauert die Installation?

Bei einer geraden Treppe dauert die Installation meist nur 4 bis 8 Stunden. Der Installateur kommt morgens, montiert den Lift und geht am Nachmittag. Bei einer Kurventreppe braucht man 1 bis 3 Tage - je nach Komplexität. Die Messung und Planung dauern vorher 1 bis 2 Wochen. Der gesamte Prozess von Antrag bis Installation dauert im Durchschnitt 6 bis 10 Wochen.

Wird der Treppenlift bei Stromausfall funktionieren?

Ja, alle modernen Treppenlifte haben einen Akku als Notstromversorgung. Bei Stromausfall können sie mindestens 15 Auf- und Abfahrten durchführen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Der Akku lädt sich automatisch auf, wenn der Lift steht. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, wenn die Stromversorgung ausfällt - Sie sind nicht auf der Treppe eingeschlossen.

Welche Förderung bekomme ich, wenn ich einen Behindertenausweis habe?

Wenn Ihr Grad der Behinderung (GdB) 50 oder höher ist, können Sie beim Sozialamt einen Zuschuss von bis zu 4.000 € beantragen. Der Lift muss als Hilfsmittel zur Teilhabe am Leben nachgewiesen werden - also als Mittel, um die Wohnung selbstständig zu nutzen. Der Antrag ist formlos möglich. Wichtig: Der Zuschuss wird nur gewährt, wenn Sie den Lift nicht schon vorher gekauft haben. Also: Zuerst Antrag stellen, dann kaufen.

Was passiert, wenn ich den Lift nicht mehr brauche?

Wenn Sie den Lift nicht mehr brauchen - etwa weil Sie umziehen - können Sie ihn entfernen lassen. Die meisten Anbieter bieten Entfernung und Rückbau an. Bei Mietern muss der Zustand der Treppe wiederhergestellt werden. Bei Eigentümern kann der Lift oft an den nächsten Besitzer verkauft werden, wenn die Treppe gleich ist. Einige Anbieter kaufen gebrauchte Lifte zurück - besonders bei geraden Treppen.

Wie wähle ich den richtigen Anbieter aus?

Wählen Sie nicht nach dem billigsten Preis. Suchen Sie nach einem Anbieter mit lokaler Niederlassung, der vor Ort ist und nicht nur per Telefon berät. Prüfen Sie Bewertungen auf Trustpilot oder Senioren-Board.de. Fragen Sie nach Referenzen - und besuchen Sie eine Installation, die vor 2 Jahren gemacht wurde. Ein seriöser Anbieter bietet mindestens 5 Jahre Garantie, jährliche Wartung und 24-Stunden-Notdienst. Und er prüft vorher den Fluchtweg - nicht erst nach der Installation.

Antoinette Adam

Antoinette Adam

Ich bin Tischlermeisterin mit eigener Werkstatt in Innsbruck und fertige maßgefertigte Möbel und Innenausbauten. Neben meiner Arbeit schreibe ich gerne über immobilienbezogene Themen aus handwerklicher Perspektive. Ich liebe es, technische Details verständlich zu erklären.

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